2019, Blog

Angst für Deutschland

Wenn ein Mensch tätlich angegriffen wird, dann müssen die Täter gefasst und vor Gericht gestellt werden. Punkt.
Ob das Opfer nun ein AfD-Politiker ist, egal ob vom rechten oder rechteren Flügel, der durch möglicherweise aufgestachelte linksorientierte Personen angegriffen wurde, oder ob es andere weniger in der Öffentlichkeit stehende Zivilisten sind, die, wie in Bottrop, durch rechts aufgewiegelte Flüchtlingspolitikhasser überfahren werden, oder ob es Flüchtlinge sind, die man versucht durch Brandanschläge in ihren Unterkünften aus grundsätzlichem Ausländerhass oder durch rechts aufgestachelt, verbrennen möchte, ist im Detail egal. Die Täter in solchen Fällen verlassen den Gesellschaftsvertrag für ein friedliches Zusammenleben.

Wer sich mit radikalen Szenen beschäftigt, wird unweigerlich auf Menschen stoßen, die grundsätzlich davon überzeugt sind im Recht zu sein. Immer. Andere Positionen werden grundsätzlich relativiert oder ignoriert. Ja, aber … Wer schon mal die linksradikale Zeitung junge Welt länger gelesen hat, wird schnell ein Kapitalismus- und Systemhasser. Wenn man als Leser ständig die Schattenseiten vorgesetzt bekommt, spiegelt der Leser das was er liest irgendwann. Genauso ist es, wenn man ständig Junge Freiheit oder hasserfüllte Blogs wie PI-NEWS konsumiert. Noch schlimmer ist das Hochschaukeln in den Filterblasen sozialer Netzwerke. Wer Twitteruser aus dem Bereich der AfD, der Partei Angst für Deutschland, verfolgt und feststellt, dass 90% der Follower sich ebenfalls mit ganz anderen Schattenseiten der Gesellschaft hochpuschen, aber nicht in täglicher Dosis, wie es Zeitungen verantworten, sondern im Minutentakt durch Nicht-Journalisten, der kann sich vorstellen wie hoch der Grad der Radikalisierung auf Twitter oder Facebook sein muss.

Der Fall aus Bremen mit dem AfD-Abgeordneten hat wieder gezeigt wie gut die AfD-Verantwortlichen mit der Radikalisierung spielen. Rot, Grün, Links. Alle die sind Schuld, weil sie Hass gegen die AfD schüren. Die AfD ist das Opfer. Opferkult ist geil. Das erfundene Kantholz wird trotz Videobeweis nicht revidiert. Die schweren Verletzungen führen zum Verlassen des Krankenhauses nach wenigen Tagen. (Unabhängig davon, dass es grundsätzlich Verletzungen sind, was schlimm ist.) Das Hochpuschen mit FakeNews haben die Lügenpresserufer hervorragend drauf. Im Vergleich zu anderen Opfern ist das Verbreiten von Bildern der Verletzungen auch Bestandteil dieser Strategien. Damit potentiert man die Angst und den Hass. Wenn sich möglicherweise einige der rechtsradikalen Mitglieder und Anhänger nun ermuntert sehen Links-Rot-Grün-Versiffte Politiker anzugreifen, dann wird es nicht ein einziges Wort des Bedauerns geben. Auge um Auge … Sind doch selber Schuld … Genauso, wie bei den ca. 2.200 Angriffen gegen Flüchtlinge im Jahr 2017 oder 3.300 registrierten Angriffen 2016 keine Worte des Bedauerns in der selben Intensität geäußert werden. Wenn überhaupt, dann nur Schulterzucken. Die eigene Politprominenz kassiert ja auch gut ab in den Parlamenten. Da muss man nicht noch die Anhänger auf eigene Fehler hinweisen.

Wenn jemand merkt, dass er immer radikaler wird, bspw. “Wenn man sowas liest, dann kann man nur radikal werden“, dann sollte man mal Abschied nehmen von seiner Timeline. Zwei oder drei Liebesfilme könnten helfen. Oder ein paar Komödien? Die Filterblasen in den sozialen Medien sind ein unkontrollierter Informationsfluss. Nicht kontrollierbar, wenn man nicht technische Zensur/Filtermöglichkeiten nutzen will. Und ich vermute irgendwann werden wir es müssen, wenn nicht klarer Verstand mal wieder die Oberhand gewinnt. Es bedarf unglaublich festen Willen einen Gang zurück zu schalten und Abstand zu gewinnen. Man könnte die Filterblasen radikaler Kreise in den Netzwerken auch als Folterkammer sehen. Ständige Visuelle und Audioreize. Wie in einer Zelle mit ständigem Licht An, Licht Aus, oder laute Musik an und aus. Irgendwann dreht man durch. Umso mehr Menschen sich mit hochgepuschten FakeNews beschäftigen, umso öfter werden sie vom Mainstream aufgegriffen.

Radikale Propaganda hat zudem sichtbar den Vorteil, dass eigene Fehler oder Unwahrheiten einfach stehen gelassen werden können. Man startet einfach gleich die nächsten FakeNewsKampagnen. So kommt der Gegner nicht hinterher. Und wenn das eigene Handeln zu Angriffen in der realen Welt führt, dann ignoriert man die eigene Verantwortung und twittert mal eben wieder über den eigenen Opferstatus. Retweetet und geteilt von allen anderen Opfern.

Vielleicht wäre es mal angebracht Bilder von Opfern rechter Gewalt in Dauerschleife zu retweeten, zu teilen und zu verbreiten. Aber wahrscheinlich hat ein Mensch mit Anstand zu viel Respekt vor so einem Schritt? So einen Onlinekrieg würde ich persönlich jedoch nicht wollen. Wir würden tatsächlich von den eigentlichen Problemen des Landes abgelenkt. Die AfD will diese Probleme auch gar nicht lösen. Und manche Volkspartei auch nicht.

Das Internet ist für einige Vielnutzer noch immer Neuland. Mindestens in dem Sinne, dass man weder richtig filtern noch reflektieren kann. Wie wäre es mal mit einer Pause?

PS: Kritik, Lob und Hassnachrichten bitte über die üblichen Kanäle.

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