2019, Blog, Kenya

Arbeitslosigkeit und Cyberkriminalität

Das Problem der Arbeitslosigkeit in Kenia wird von der führenden politischen und wirtschaftlichen Schicht vernachlässigt. Der Bildungsgrad bei jungen Menschen ist hoch. Viele Familien erhoffen sich von der Finanzierung eines Universitätsbesuches eine Verbesserung der Situation in den eigenen Reihen. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Viele Masterabsolventen verdingen sich trotzdem mit Hilfsjobs oder fachfremden Tätigkeiten. Unter solchen Bedingungen entstehen unter anderem Frust, manchmal auch Kreativität. Die Kreativität kann jedoch dazu führen, dass sich arbeitslose Fachleute in Cyberkriminelle verwandeln.

Jeden Tag hören wir Geschichten von Studenten, die Geld von Banken stehlen, Daten hacken und Finanzinstitute versuchen zu betrügen. Ein großes Problem ist der Versuch von anderen Bürgerinnen und Bürgern mit Hilfe von M-Pesa Geld aus den digitalen Geldbörsen der Menschen zu entwenden.

Erst kürzlich wurde berichtet, wie junge Universitätsstudenten unbemerkt einen unterirdischen Tunnel in den Tresor einer kenianischen Geschäftsbank gruben und Millionen von Schillingen in Bargeld stehlen konnten. Sicher filmreif. Aber sie wurden später erwischt und vor Gericht angeklagt. Zum Verhängnis sind wieder soziale Netzwerke geworden. Das Fotografieren der Geldmenge auf dem eigenen Bett und das Veröffentlichen der gestohlenen Geldmengen führten die Ermittler auf die Spur der Diebe.

Eine weitere Geschichte war weniger Cyber, aber hatte mit guter Aufklärung zu tun. Eine weitere Gruppe Bankräuber konnte spurlos Geld von mehreren Barclays Bank ATMS stehlen. Rund 11 Millionen in kenianischen Schillingen.
Sie planten und führten die Überfälle professionell durch. Die Gruppe besuchte die in der Stadt verteilten Geldautomaten in Mutindwa, Buruburu, Kenyatta National Hospital und am Mater Hospital in South B, kurz nachdem sie mit Bargeld befüllt wurden.
Es zeichnete sich ab, dass die Räuber ihre Hausaufgaben gemacht hatten und einen erfolgreichen Tag verbuchen konnten. Am Automaten in Mutindwa, wo 6.290.000 KSH gestohlen wurde, gab es keine Überwachungskamera. In South-B überließen sie nichts dem Zufall. Um ihre Spuren zu verwischen, schmierten sie die CCTV-Kamera mit Vaseline zu. So konnte die Kamera nur verschwommene Bilder aufnehmen.
Überall wussten sie wie man die Automaten öffnet und wie die Überwachungssysteme aussahen. Eine sehr gute Vorbereitung und möglicherweise Insiderwissen.

Für ein Land wie Kenia, das eine hohe Arbeitslosigkeit bei jungen Leuten vorweist, die jedoch gut gebildet und nicht verlegen im Umgang mit neuer Technik sind, können sich Märkte und Strukturen entwickeln, die nicht gut für ein Land im Aufbruch sind. So entstehen falsche Vorbilder und falsche Vorstellungen für andere junge Menschen, wie man sein Leben meistern kann. Was die Politik versäumt, zahlen die Betroffenen Bürgerinnen und Bürger doppelt zurück. Statt die folgen der Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, wären öffentliche Gelder in öffentlichen Beschäftigungsprogrammen besser angelegt. Es gibt genug zu tun in unserem Land.

 

 

 

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