Blog

Benutzerservice aus der Südsee

Tuvalu ist ein kleiner Staat im Pazifik. Er hat ungefähr 10.000 Einwohner. Gestern haben ein Kollege und ich ca. 0,02 % der Bevölkerung kennengelernt. Wenn Ihr in Deutschland 0,02 % der Bevölkerung kennen würdet, dann müsstet Ihr etwa 160.000 Leutz in eurem Adressbuch haben. Kowabit steht jetzt definitiv als Tuvalukulturpate zur Verfügung. 🙂 Wobei? Nun, meinen Kollegen rief ein Callcenter aus jener Pazifikregion an und hat ihm Hilfe angeboten, um ein Problem an seinem Windows PC zu lösen. Wir waren dann sehr verwundert, warum die Dame und später der Herr gerade uns anrufen. Und woher wussten die Leute von unseren Problemen? Trojaner? Geheimdienste? Panik! Das Gespräch verlief dann in englischer Sprache, aber sehr gebrochen und fehlerhaft. Das Gebrabbel im Callcenter war sehr laut und störend. Die Jungs und Mädels supporten scheinbar den ganzen Planet. Dafür ein großes Dankeschön! Ins Deutsche übersetzt, lief es ungefähr so:

Frau: Hallo, hier ist die Abteilung von Microsoft. Wir haben ein Problem auf Ihrem PC festgestellt und bieten Ihnen an zu helfen. Was sehen Sie auf Ihrem Computer?

Admin: Wer ist da?

Frau: Hallo, hier ist die Abteilung von Microsoft. Wir haben ein Problem auf Ihrem PC festgestellt und bieten Ihnen an zu helfen. Was sehen Sie auf Ihrem Computer?

*Hier haben wir dann geschnallt, dass das diese EVENTVWR-Scam-Anrufer sind.*

Admin: Ah! Danke für Ihre Hilfe. Wir sehen den Bildschirm.

Frau: Was können Sie auf Ihrem Bildschirm sehen?

Admin: Den Desktop.

Frau: Schauen Sie auf ihre Tastatur!

Admin: Ja, ich schaue.

Frau: Sehen Sie die Windows-Taste?

Admin: Ja, die sehe ich.

Frau: Drücken Sie bitte die Windows-Taste, halten Sie sie gedrückt und betätigen Sie die Taste mit dem Buchstaben R.

Admin: Ah, ja. Habe ich gemacht.

Frau: Was sehen Sie auf Ihrem Bildschirm?

Admin: Ein graues Fenster.

Frau: Was sehen Sie auf Ihrem Bildschirm?

*Wir mussten hier ein bisschen helfen.*

Admin: Wir sehen ein graues Fenster und eine Befehlszeile.

Frau: Geben Sie jetzt bitte folgende Buchstaben in die Befehlszeile ein. EVENTVWR und drücken Sie Enter.

Admin: Ja, warten Sie! Können Sie das erneut sagen?

Frau: Geben Sie jetzt bitte folgende Buchstaben in die Befehlszeile ein. EVENTVWR und drücken Sie Enter.

Admin: Ja, das habe ich. Enter oder Return drücken?

Frau: Geben Sie jetzt bitte folgende Buchstaben in die Befehlszeile ein. EVENTVWR und drücken Sie Enter.

Admin: Ah, ja. Jetzt sehe ich was. Oh mein Gott, da ist ein roter Punkt auf meinem Bildschirm!

Frau: Warten Sie bitte einen Augenblick. Ich gebe Sie an einen Kollegen weiter.

Admin: Ja, ich warte gerne. Danke für Ihre Hilfe.

Mann: Hallo, ich bin von der Microsoftabteilung und möchte Ihnen bei Ihrem Problem helfen.

Admin: Oh ja. Das ist nett. Unglaublich nett.

Mann: Was sehen Sie auf Ihrem Bildschirm?

Admin: Den Desktop.

Mann: Was sehen Sie auf Ihrem Bildschirm?

*Wir wollten jetzt wissen, ob unser Service kompetent genug ist und spielten die Schritte nochmal durch.*

Admin: Nichts.

Mann: Bitte schauen Sie auf Ihre Tastatur.

Admin: Ja, ich sehe sie.

Mann: Drücken Sie die Windows-Taste und anschließend die Taste R.

Admin: Ah, ja, das habe ich gemacht.

Mann: Geben Sie jetzt bitte folgende Buchstaben in die Befehlszeile ein. EVENTVWR und drücken Sie Enter.

Admin: Ja gut. Können Sie das nochmal sagen, bitte? Ich bin so aufgeregt!

Mann: Kein Problem, ich helfe Ihnen. Geben Sie jetzt bitte folgende Buchstaben in die Befehlszeile ein. EVENTVWR und drücken Sie Enter.

Admin: Ja, das habe ich getan.

Mann: Was sehen Sie?

Admin: Nichts.

Mann: Haben Sie Enter gedrückt?

Admin: Enter oder Return?

Mann: Enter.

Admin: Ah, ja, jetzt sehe ich etwas.

Mann: Was sehen sie?

Admin: Ein Fenster.

Mann: Was sehen Sie?

*Wir mussten jetzt natürlich in Deutsch vorlesen. Das schreckte den Typen aber nicht.*

Admin: Ereignisanzeige, Benutzerdefinierte Ansichten, Windows-Protokolle, Anwendungs- und Dienstprotokolle, Abonnements.

Mann: Klicken Sie auf Windows-Protokolle.

Admin: Wirklich?

Mann: Ja.

Admin: Okay. Auf Ihre Verantwortung. *Klick*

Mann: Was sehen Sie?

Admin: Anwendung, Sicherheit, Installation, System, Weitergeleitete Ereignisse.

Mann: Anwendung.

Admin: Ah, ja.

Mann: Sie sehen jetzt sehr oft das Wort Information.

Admin: Ja, sehr oft.

Mann: Wenn Sie runterscrollen, Was sehen Sie?

Admin: Oh mein Gott! Unglaublich. So viele Fehlermeldungen.

Mann: Ja, Fehler.

Admin: Jetzt habe ich Angst.

Mann: Ich helfe Ihnen. Wie viele Fehlermeldungen sehen Sie?

Admin: Oh mein Gott. Das sind ja hunderte Fehler. Ach, was sage ich. Das sind tausende Fehler.

Mann: Ja, da muss ich Ihnen helfen.

Admin: Oh mein Gott. Ich habe Angst. Was muss ich tun?

Mann: Schließen Sie bitte alle Fenster und Anwendungen.

Admin: Wirklich?

Mann: Ja.

Admin: Okay. Alle weg.

Mann: Was sehen Sie auf Ihrem Bildschirm?

Admin: Den Desktop.

Mann: Schauen Sie auf Ihre Tastatur.

Admin: Mache ich.

Mann: Drücken Sie die Windows-Taste und den Buchstaben R gleichzeitig.

Admin: Okay, habe ich gemacht.

Mann: Was sehen Sie auf Ihrem Bildschirm?

Admin: Ein graues Fenster mit Befehlszeile.

Mann: Gut. Geben Sie bitte folgende Buchstaben ein.

Admin: Ja, ich höre.

Mann: W W W .

Admin: GOOGLE.COM?

Mann: Nein. W W W .

Admin: AMAZON.COM?

Mann: Nein, auch nicht amazon.com. W W W .

Admin: Oh, schade.

Mann: W W W . 1 2 1 U S A . C

Admin: Könnten Sie das wiederholen? War das ein S?

Mann: W W W . 1 2 1 U S A . C O

Admin: Könnten Sie das nochmal sagen? War das ein D?

Mann: W W W . 1 2 1 U S A . C O M .

Admin: Könnten Sie das nochmal wiederholen?

Mann: W W W . 1 2 1 U S A . C OM

Admin: Ja, habe ich.

Mann: Drücken Sie Enter.

Admin: Enter oder Return?

Mann: Enter.

Admin: Ja, habe ich.

*Haben wir nicht geöffnet. Kowa hat noch versucht sein Smartphone einzuschalten, um das Gespräch mitzuschneiden. Hat aber nicht geklappt.*

Mann: Was sehen Sie?

Admin: Nichts.

Mann: Wie? Nichts?

Admin: Die Seite wird geblockt!

Mann: Wie? Sie sehen nichts?

Admin: Nein, die Seite wird geblockt.

Mann: Wie? Sie können nichts sehen?

Admin: Unser Administrator blockiert die Seite!

Mann: Sind Sie nicht der Besitzer des Computers?

Admin: Das ist mein Bürorechner.

Mann: Sie sind nicht der Besitzer des Computers?

Admin: Das ist mein Bürorechner. Im Polizeirevier!

*Wir sind gar keine Polizei …*

Mann: Das ist Ihr Bürorechner?

Admin: Ja, das ist mein Bürorechner. Im Polizeirevier!

Mann: Das ist Ihr Bürorechner? Das ist gar nicht Ihr Rechner?

Admin: Das ist mein Bürorechner. Im Polizeirevier!

Mann: Bye.

 

Ich habe dann anschließend mit einer Prepaid-Nummer zurückgerufen und hoffe jetzt, dass ich demnächst einen Serviceanruf erhalte. Das sollte sich doch wiederholen lassen. 🙂 Die Domain 121usa.com ist bereits als schädlich bekannt. Sicherheitssoftware sollte sie blockieren. Die Macher hinter der Seite, sofern die Daten im WHOIS nicht falsch sind, kommen wohl aus Indien. Registrant Name: Akshay Kumar, Registrant Organization: Speak Support Inc in New Dehli. Ich tippe aber mal auf falsche Angaben. Man wird dann auch weitergeleitet auf remote.speaktechsupport.com. Hier wird wohl versucht den Rechner per Fernwartung pflegen zu dürfen. Soweit haben wir es aber nicht kommen lassen.

speaktechsupport

 

Hinter speaktechsupport.com steht zwar eine Webseite, aber die ist mehr Schein als Sein und laut Footer seit 2012 nicht mehr gepflegt worden. Die meisten Links, auch intern, funktionieren gar nicht.

speaktechsupport2

 

Im WHOIS ist dann noch die E-Mail-Adresse cratztechno@gmail.com angegeben. Mal schauen ob eine Antwort kommt. Immerhin wurde der Support noch nicht zu unserer Zufriedenheit beendet. 🙂

Tagged , , , , , , ,