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Das #Darknet ist kein #Darkroom …

… mit Lichtschalter. Sobald irgendwelche Spinner sich in die Luft jagen, Menschen umbringen und die Politik ihr Versagen verstecken will, schlägt die Stunde der Phrasendrescher.

Der Amokläufer aus München hat sich seine Waffe aus dem Darknet geholt. Was ist das Darknet? Das Darknet ist ein Begriff. Es umschreibt eine verschlüsselte bzw. gesicherte Art der Kommunikation. Man kann als Konsument, Kommunikationsteilnehmer oder Händler über diese Kommunikationsform arbeiten. Wir im Westen benötigen für unsere Berichterstattung immer einen Namen und ein Gesicht, um politische Ziele durchzusetzen oder darzustellen und genauso benötigen wir Fantasiebegriffe für (hier: technische) Abläufe, die uns irgendwie suspekt sind und gleich noch eine Charakterisierung inne haben (dark = dunkel = böse). Alles die Aufregung nicht wert. Weder wird es verboten, noch werden die Massen an illegalen Märkten geschlossen. Gestern nicht, heute nicht und übermorgen auch nicht. Dafür hat man schon Jahre vor dem Darknet Drogenrückstände auf den Toiletten im Bundestag nachgewiesen und einige der Bundestagsinsassen bereits erwischt! Ihr Scheinheiligen!

Aus der Ahnungslosigkeit heraus bieten uns jedoch verantwortliche Politiker und Amtsträger nette Phrasen.

Beispielsweise Burkhard Lischka, der innenpolitische Sprecher der SPD im Bundestag und Landesvorsitzender seiner Partei in Sachsen-Anhalt, der das Darknet durchleuchten möchte.

Oder der bayerische LKA-Präsident Robert Heimberger, Zitat: “Das Darknet ist ein sehr großes, dunkles Netz.”

Knüller ist der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin (FDP), Zitat: “Wir müssen aber schauen, ob wir nicht etwas Licht in dieses dunkle Netz bringen und solche Käufe verhindern können.” Wo ist der Lichtschalter? Der Kauf illegaler Waffen ist bereits verboten. Also ist die Lösung, dass wir solche Käufe einfach verhindern! (?) Hallo? Internet? Weltweit? Verschlüsselung? Viel Glück!

Oder der nette Begriff Clearweb, der ja so schön sauber ist. Wer im Clearweb surft, ist ein guter Staatsbürger! Brav!

Das BKA hat jetzt sogar das Surface Web erfunden. Aufgrund der Entwicklung im 3D-Druck und der Virtual-Reality-Welle bin ich für das Touch Web zu haben. Endlich das Maschinengewehr in der Hand spüren, wenn man bei Counter Strike seinen Killerspiele-Trieben nachgeht. Die meisten von Euch Lesern werden sich das vielleicht nur für den Pornobereich wünschen, aber das sollte dann wenigstens im Deep Web verschwinden. Wegen dem Jugendschutz!

Man könnte also auch sagen, dass der Underground sehr tief unten ist. Da unten, wo das fachliche Niveau der versagenden Politiker-Elite gestrandet ist. Vorratsdatenspeicherung und Videoüberwachung ersetzen eben keine Streifenpolizisten, liebe Versager aus der CSU. Wäre das in einem anderen Bundesland geschehen, ob Grün oder Links regiert sei dahingestellt, hättet ihr doch als erste Gruppierung nach Rücktritten gepöbelt. Die leeren Phrasen des vorauseilenden “Ich bin nicht Schuld”-Reaktionismus nach diesen bayerischen Amoktagen werden an Eurem politischen Versagen nichts ändern.

Neben dem Darknet sind ja auch wieder die Killerspiele Schuldiger im Prozess. Herzlichen Glückwunsch! Verbieten wir virtuelle Gewalt! Davon gibt es genug im Fernsehen, auf Amazon Prime, Netflix und mit der Bundeswehr nicht nur im Ausland, sondern nach Euren Vorstellungen dann auch im Inland! Wie lange hätte der Amokschütze eigentlich töten können, wenn die Bundeswehr eingesetzt worden wäre? Sieben Tage? Das mit der Gefechtsbereitschaft in 45 Minuten hat vielleicht in der DDR funktioniert, aber bei uns? Mit maroder Technik, demoralisierten Soldaten und dann auch noch an einem Freitag? Einem Nachmittag? Scherzkekse! Ihr ahnungslosen Scherzkekse!

Zurück zum Darknet! Einige Medien meinen auch, dass man Einladungen benötigt, um im Darknet seinen finsteren Ideen nachgehen zu können. Alles Käse! Jeder kommt da rein!

Um am Darknet teilzunehmen, muss man sich nur den TOR-Browser herunterladen. Das erledigt Ihr hier: https://www.torproject.org/projects/torbrowser.html.en. Kostenlos, legal, schnell.

Ihr installiert die Geschichte und startet den Browser. Gratulation, Ihr seid im Darknet. Jetzt könnt Ihr normale Webseiten aufrufen. Nur mit dem Unterschied, dass Eure Herkunft verschleiert wird. Wenn Ihr auf Nummer sicher gehen wollt, verbindet Ihr Euch vor dem Start des TOR-Browsers mit einem VPN, das Euch irgendwo im ausländischen Clearweb ins Internet entlässt.

Sollte man jetzt entsprechende versteckte Webseiten suchen wollen, helfen einzelne Dienste. Beispielsweise The Hidden Wiki. Dort findet Ihr normale Webseiten aber auch Marktplätze für Drogen, Waffen und alltägliches Zeugs.

Ist das jetzt illegal? Illegal wäre der Kauf von Drogen und bspw. Waffen. Die Nutzung des Darknets, wenn man weiß was das ist, ist jedoch nicht illegal. Es ist einfach nur eine verschleierte Art zu kommunizieren. Häufig genutzt von Dissidenten in Diktaturen und Journalisten und Bloggern.

Aber auch über eine einfache Google-Suche wird man schnell fündig. Wenn Ihr bspw. den Namen eines Portals kennt, aber nicht den kryptischen Link, bspw. sabgsrh4t3qgaga.onion, so ist eine einfache Google-Suche nach “Portalname Link” meist zielführend. In Foren, bei Reddit oder selbst in Blogs werden die Links schonmal verbreitet. Grams als Drogensuchmaschine ist eine gern als Beispiel herangezogene Webseite.

grams

Alles absolut einfach! Entscheident ist nur was Ihr als Nutzer daraus und damit macht. Anderen zu schaden, sollte bei gesundem Verstand ausgeschlossen sein!

Und wenn Ihr jetzt auf den niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius (SPD) trefft, dann könnt Ihr ihm erklären, wie leicht das mit dem Darknet ist. Seine TOP-Zitate zum Darknet findet man beim NDR: “Das ist ein Raum, auf den wir keinen Zugriff haben.” oder “Das ist eine mobile Kriminalität, die sich über die ganze Welt bewegt.” oder der Spitzenreiter, der nicht mehr als Zitat im Artikel markiert ist, aber als Aussage erkennbar: “Es müsse auch geklärt werden, wie der 18-jährige Täter überhaupt Zugang zum Darknet bekommen konnte”. Tada!

In Bezug auf die Polizeipräsenz meinte er dann noch: “Die Polizei kann aber nicht jeden Rucksack oder jede Tasche überprüfen.” Tja, es gibt Länder da geht das. Es gibt Länder, die entsprechend Personal und Ausrüstung zur Verfügung haben. Nur mit Cyber Cyber Cyber könnt Ihr Jungs in der Politik aber nicht viel verändern.

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