2018, Blog

Die Konferenz.

Die Freiheitsbusinesskonferenz. Langer Name. Langer Tag. Kennt Ihr nicht? Kein Problem. Dann erzähle ich Euch davon.

Fangen wir mal noch vor dem Anfang an. Bis letzten Donnerstag kannte ich das nicht. Ein Nutzer mit dem ich über Telegram geschrieben habe, machte mich darauf aufmerksam. Da auf dieser Konferenz auch über Cryptowährungen gesprochen werden sollte, wollte ich die Gelegenheit nutzen. Alles mit der Familie abgesprochen, eine 149€ teure Eintrittskarte gekauft und der Samstag war verplant. Normalerweise gehe ich nicht auf derartige Konferenzen. In der Regel habe ich bessere Dinge mit der Familie vor. Und die Eintrittspreise sind mir immer zu hoch. Aber einmal wollte ich es. Einmal dabeisein zwischen Hippster, StartUps und Cryptowahnsinnigen. Und es war dann teilweise auch ziemlich verschroben.

Vorab: Wer sich informieren will, kann das hier tun: https://www.freiheitsbusiness.de/ !

Der Tagungsort liegt in Hamburg im Rödingsmarkt 9. Die Location ist super. Keine Frage. So, wie man sich das heute vorstellt. Großer Raum, viele Stühle, mit Bar. Da können viele Menschen viele Gedanken teilen. In den 149 € war alles inklusive. Essen, Trinken, auch die harten Sachen am Ende des Abends. Soweit bin ich aber nicht geblieben. Ging nicht. Den Tag über gab es Brezeln und Wasser von Edeka. Mittags drei verschiedenen Gerichte. Vegan bis totes Tier. Abends war ebenfalls für alle was dabei. Hier muss man den Veranstaltern ein Kompliment machen. Hat gepasst. Was aber meist am Wichtigsten ist bei derartigen Veranstaltungen ist die Technik. Und die hat ebenfalls sauber funktioniert. Keine Ausfälle, keine Tests. Alles gut.

Ich bin also Samstag direkt von Buxtehude mit der S3 durchgefahren zur Stadthausbrücke. Drei Minuten Fußweg. Angekommen. Als Eintrittskarte habe ich einen QR-Code erhalten. Das Ticket brauchte ich nicht. Am Eingang sollte gescannt werden. Naja. An der Tür zum Tagungsraum hatte der Türsteher kein Gerät zum Scannen und alle so durch gewunken, die irgendwie so getan haben, als hätten sie gebucht. Man hätte also auch die 149 € sparen können. Kann passieren. 😉

Es wurden 15 Speaker angekündigt. Ein Dauerfeuer an Unternehmertum. Bis zu 180 Leute durften in den Raum.

Beginnen sollte Lasse Schulze von Happy New Work (https://www.happy-new-work.com) . Sein Leitsatz an diesem Tag: Kündige Dich Glücklich. Als er in den Raum fragte, ob denn jemand definitiv vor hat zu kündigen, hoben relativ viele den Arm. Seine Kunden von Übermorgen.

Ich muss gestehen, dieser Satz hatte mich abgeschreckt. Sein Vortrag konnte mich auch nicht begeistern. Die Kerninfo, die nach einigen Tagen bei mir hängen blieb: “Wenn Du arbeitslos bist und eine Idee hast, kannst Du vom Arbeitsamt eine Förderung in Deine Selbständigkeit erhalten. Die Läuft dann irgendwann aus.” Man merkte aber, dass einige der Leute im Raum gar keine Idee hatten. Alle wollten irgendwas machen, aber was zum Erfolg führen kann, wusste niemand. Und die Förderung gibt es nur mit Businessplan und guter Idee. Da würde Lasse Schulze dann eben helfen.

Als zweiter Speaker war ein junger Unternehmer namens Robert Heineke am Start. War mir bis dahin unbekannt. Auch er konnte nicht überzeugen. Er hatte bereits einige Unternehmen gebründet und auch in den Sand gesetzt. Wie sein Vorredner erzählte er von Zeiten in denen Geld reinkommt und dann wieder nicht. Man muss ihm zu Gute halten, dass er den Mut hat irgendwas anzupacken und das dann auch durchzieht. Durchschlagenden Erfolg konnte er nicht vorweisen. Beweisen konnte er aber, dass man trotz Auf- und Abwärtsspirale im Leben immernoch Lächeln kann. Wer etwas zu ihm wissen will, kann sich hier umschauen: http://leadersmedia.de.

Der dritte Speaker hat mir gefallen. Ehrenfried Conta Gromberg. Hat bereits mehrere Unternehmen gegründet und arbeitet mit seiner Frau solo zusammen. Ein wunderbarer Vortrag über Möglichkeiten und Chancen, wenn man es nicht übertreibt. Er hatte einen eher erdenden Effekt. Nicht TO THE MOON, sondern SMART THINKING. Mehr findet Ihr auf: http://smartbusinessconcepts.de. Von den ersten Dreien und auch bis zu meinem Abflug von der Konferenz eigentlich der beste Speaker.

Die erste Speakerin war Maria Anna Schwarzberg. Mir völlig unbekannt. Sie kümmert sich um Hochsensible Menschen und unterhält einen Podcast namens Proud to be Sensibelchen. Habe ich mir nie angeschaut. Werde ich auch nicht. Das Thema ging etwas an mir vorbei. Vielleicht bin ich zu sehr Macho. Sie schien rückblickend aber zufrieden, freundlich und aufgeschlossen. So 100%ig erfolgreich nicht, aber ausgeschlossen ist heutzutage ja nichts. Wer mehr erfahren will, kann hier nachlesen: http://proudtobesensibelchen.de.

Als Nächstes ging es dann auch um Sex. Wenn ich jetzt wieder über Pornographie oder Sex schreibe muss ich wieder in Großbritannien geblockt werden. Aber so schlimm war es nicht. Es war sogar ganz lustig. Der Speaker, Axel Jack Metayer, legte seinen Berufsweg vom Online-Marketing-Experten zum Orgasmus-Experten hin. Sein Thema war Orgasmische Meditation. Wie bei allen Redner klang aber auch durch, dass es nicht immer so gut läuft. Es gibt auch Durststrecken, die überbrückt werden müssen.

Ein etwas spannenderes Thema brachte anschließend Chris Workert und ein Kollege mit. Rechtsanwälte aus Zypern. Sie sprachen über die Möglichkeiten von Unternehmern in Zypern. Ihr ahnt es schon: Geringe Steuern, geringe Steuern und geringe Steuern. Kleine Hürden und viiiiieeeellll Freiheit. Es begeisterte die Mehrheit im Saal. Pech nur, dass die wenigsten Zuhörer eine Geschäftsidee hatten. Die Anwälte zogen Ihre Show professionell auf. Geschäftlich ansprechbar war jedoch nur der Partner aus Zypern. Aus rechtlichen Gründen. Aufzufinden unter: https://www.wohnsitz-ausland.com. Cryptowährungen kamen hier das erste Mal vor. Natürlich: Gewinne sind Steuerfrei. Wenn man jetzt bloß eine Idee hätte …. 🙂

Als nächster Speaker wurde Richard Bertossa auf die Bühne geholt. Mir auch völlig unbekannt. Er hatte eine interessante Geschichte zu erzählen, aber konnte mich nicht begeistern. Im Netz habe ich nur hier etwas mehr finden können, aber auch das begeisterte mich nicht. Das was hängen blieb, war mir nicht unbekannt. Er gab als Tipp in die Runde, dass es sich lohnen kann Menschen von der anderen Seite der Erdkugel Arbeiten verrichten zu lassen, weil sie in der Regel günstiger sind. Ihr könntet also bspw. einen Programmierer aus Vietnam für Euch arbeiten oder eine Bürokraft aus Indien nach bestimmten Prozessen rumklicken und Aufträge abarbeiten lassen. Ich hätte noch hinzugefügt, dass es ethisch und moralisch gut ist, den Personen dann auch ein im jeweiligen Landesschnitt überdurchschnittliches Gehalt zu zahlen.

Jetzt wurde es wieder Zeit für eine Speakerin. Ihr Name: Miriam Bundel. Sie hat in der Vergangenheit mal einen Designpreis gewonnen und eine Geschaftsidee gehabt. Momentaner Webauftritt geht auch in diese Designrichtung: http://miriambundel.de . Ihr Auftritt war auch eher zurückhaltender Natur. Mir war der Name kein Begriff. Irgendwie wollte kein Funke überspringen. Aber auch hier konnte man vermuten, dass sie es nicht leicht hat mit ihrer Arbeit.

Eine weitere Speakerin war mir bekannt. Ich hatte über Ihr StartUp gelesen und konnte mich gleich erinnern. Ricarda Masuhr. Eine zurückhaltende, eher schüchterne junge Frau, die ihren Erfolg bodenständig – trotz Konsumattacken – weggesteckt hat. Ein schöner Vortrag über Möglichkeiten und Chancen das Hobby zum Beruf zu machen. Hier hat es Spaß gemacht zuzuhören. Webseite: https://www.pechundschwefel.eu.

Der nächste Speaker gehört für mich in die Kategorie Bunter Vogel. Aber positiv. Ein vollkommen abgerundetes Bild, das eine Persönlichkeit transportiert der man gerne zuhört. Von den Erfahrungen bei den Grünen bis zu seinem Leben auf Zypern und als Geschäftsführer von Morgenrot Diamonds fesselte er die Zuhörer. Er plant übrigens eine Diamantengedeckte Cryptowährung. Warum er das mit RSK machen will, weiß ich jedoch nicht. Aber es gibt ja auch Leute die Bitcoins gut finden. 🙂 Hier die Webseite: https://www.morgenrot.diamonds oder https://jenisetcie.com.

Unter dem Titel Das Mindset eines Krypto-Investors startete eine Reihe von Vorträgen über Cryptowährungen.

Den Anfang machte das Mindset von Dominik Porsche. Mir völlig unbekannt. Seine Webseite: http://dominikporsche.de.
Dieser Vortrag war so schlecht, so unterirdisch, so praxisfern, so daneben, dass mich echt gewundert hat wie man diesen Herrn einladen konnte. Statt über Risiken und Möglichkeiten zu sprechen, landeten wir bei Depressionen, Problemen und Geschichten über das Verzocken von Geld und bitterlichen Tränen und dem Geld seiner Freundin. Es war eine Katastrophe. Wären meine beiden Sitznachbarn zu meiner Rechten nicht dermaßen humorvoll gewesen, hätte ich mir eine Waffe in den Mund stecken müssen und die Versammlung damit beenden wollen. Da lag aber keine rum. Die Botschaft die hängen geblieben ist, macht mich heute noch fertig. Das Mindset von Herrn Porsche hieß: ALL IN! Einfach alles was man hat, investieren. ALL IN! Yeah. Wenn es schief geht, dann weint man eben und sieht sich Youtube-Videos von Bruce Lipton an. Es war eine Katastrophe. Wer ihn erleben will, kann das hier: http://kryptokurs.de. Absolut KEINE Empfehlung.

Der nächste junge Mann war Leon Siegmund. Er wohnt wohl auf Malta und war an einer (gescheiterten?) Initiative zur Einführung von BitcoinATMs beteiligt: https://ivaja.io . Er soll auch noch irgendwas anderes machen. Ob davon noch was läuft? Keine Ahnung. Sein Vortrag hatte wenig mit Cryptowährungen zu tun. Es ging eher um Verschwörungstheorien, den 11.September und die dunklen Mächte die alles kontrollieren. Es war sogar noch schlimmer als vom Porsche. Es fehlte jeglicher Sinn, jegliche Lebenserfahrung, jegliche Fachkompetenz in diesem Bereich. Ich erinnerte mich an den Eisteehersteller, der jetzt das Wort Blockchain im Namen hat. Ich bin mir das dritte Mal im Leben  so vorgekommen, als wäre ich im Irrenhaus. Es war nur noch zum Kopfschütteln. Ich war froh, dass ich aber nicht der Einzige im Raum mit diesem Gefühl war. Einige Wenige nahmen es schmerzverkrampft hin. Ein Strick ,um das für sich selbst zu beenden, war nicht in der Nähe. Wir hatten Pech und mussten da durch.

Dann sollte der dritte Vortrag zum Thema folgen. Die Veranstalter hatten Jens Böckenfeld geladen. Er hat einen Youtubekanal mit ca. 7.300 Abonennten. Ein Kryptowährungsmeister, so wurde er angekündigt. Konnte ja kaum schlimmer werden. Eigentlich war er aber noch schlimmer als die beiden Vorredner. Er mag Indien und fährt gerne hin. Er studierte auf Lehramt und schmiss hin. Dann fuhr er nach Indien. Dann schmiss ihn seine Freundin raus. Irgendwann fuhr er wieder nach Indien. Dann verkaufte er seine EIgentumwohnung. Indien. Dann kaufte er Bitcoin bei 200 Dollar. Und die GEZ-Gebühr zahlt er auch nicht. Ist Fan von Ludwig von Mises. Er hasst den Sozialstaat. Da waren aber noch mehr Leute, die voller Hass auf alles Soziale waren. Manchmal hasst man das was einen am Leben erhält, aber nur weil man es ungern in Anspruch nimmt. Ihr wisst schon: Scheitern muss man verarbeiten. Aber egal. Der Jens war schlecht. Keine Fachkompetenz. Kein Entertainer. Kein Profi. Die gesparten GEZ-Gebühren brachten ihm angeblich 20.000 € Bitcoin-Gewinn. Das mit der Steuerfreiheit hat er dann falsch erklärt und musste sich korrigieren. Hoffen wir, er muss sich dem Finanzamt nicht erklären. Mittlerweile wäre ich vor Schock nicht mehr in der Lage gewesen irgendwas in die Luft zu sprengen. Es war schlimm. Wirklich jetzt.

Erschreckend war, dass es tatsächlich ernstgemeinte Fragen an die drei Speaker gab. Natürlich keine Antworten von Gewicht. Ich bedauere mich nicht gemeldet zu haben und den Organisatoren für die Comedyeinlagen zu danken. Wenn dort Gäste mit Cryptointeresse gesessen haben, werden sie wohl niemals investieren. Vielleicht auch gut so.

Ein weiterer Unternehmer zu meiner Linken, ein selbständiger Handwerker, der gute Straßen benötigt, um zum Kunden zu kommen, der offen zugab noch Zuschüsse vom Arbeitsamt zu erhalten, also den Sozialstaat und Steuerzahler benötigt, meinte nur: “Die letzten drei Vorträge waren Unsinn, oder?” Dem konnte ich nur zustimmen.

Die letzten beiden Speaker wollte ich nicht mehr ertragen. Wenn das Essen mir nicht so gut geschmeckt hätte, wäre es mir am Ende wieder hochgekommen. Wenn die neuen Unternehmergenerationen in der Mehrheit so sind, dann wird das nix mehr mit diesem Land. Aber es waren ja nur drei von 15.

Fazit: Es war ein absolut interessanter Tag. Mehr als einmal würde ich jedoch keine Eintrittskarte kaufen. Wäre auch ohne gegangen. 🙂 Wer Lust auf einige der Akteure hat, darf aber gerne mal reinschnuppern: https://www.unternehmer-wissen.de. Am 27.01.2018 gibt es noch so eine Konferenz.

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