2019, Blog

Games of Thrones – Wie im realen Leben

Endlich ist die beste Serie der Welt vorbei. Bis auf die Freunde in China hatten wir die Chance sie zu anzuschauen. Und? Waren wir enttäuscht? Oder haben wir das erwartet?

Ja, ich habe das Ende erwartet. Ich bin deshalb auch nicht enttäuscht. Hätte ich das Ende erwartet, das ich mir gewünscht hätte, wäre ich jetzt enttäuscht. Ich wäre aber total happy, wenn Games of Thrones nicht so ausgegangen wäre, wie es ausgegangen ist. Es ist nämlich genauso ausgegangen wie das reale Leben selbst.

Jon Snow ist nicht König geworden. Gut so. Er war schwach und hat jede Schlacht nur durch das Eingreifen von Frauen überlebt oder gewonnen. Seine Gefühle versperrten den realen Blick auf das Notwendige. Er war schwach. Und schwache Männer bringen auch mal ihre starken Frauen um. Schwamm drüber. Am Ende rettet ihn dann sein König, sein Bruder, damit er im kalten Norden verschwinden kann. Neben den Lannisters haben so auch die Starks ihren Königsmörder, bzw. Königinnenmörder.

Und wer bleibt nach vielen Jahren übrig? Wer regiert? Wer ist an der Macht?

Wie im richtigen Leben: Es regieren immer noch die alten Clans. Etwas durchmischt. Etwas geschrumpft. Ein paar unbedeutende Lückenfüller. Die Berater waren schon immer austauschbar. Egal zu welchem Haus sie gehörten. Schwamm drüber.

Die Lannisters stellen die Hand, den obersten Berater. Der Winke-Onkel (der König) kommt von den Starks. Es gibt zwei Stark-Königreiche könnte man sagen. Die anderen Adligen haben noch ihren Besitz und ihre Macht. Es wurde eben nach dem Tod einiger Familienmitglieder geerbt. Am Anfang war der König ein Lannister, und die Hand ein Stark. Jetzt umgekehrt. Das tauscht ja sowieso immer mal wieder durch.

Als Samwell die Demokratie vorschlägt, wurde er mit Gelächter aller Häuser gestraft. Auch den geliebten Starks. Und? Schwamm drüber. Demokratie ist eh nur eine Illusion, oder?

Die Verhältnisse am Ende von Games of Thrones sind im Grunde die gleichen Verhältnisse wie vorher. Wie im realen Leben. Die reichen Familien bleiben an der Macht. Egal wer regiert. Egal wie viele Opfer es gab. Am Ende wird am Kabinettstisch auch nur gewitzelt.

Die einzige Person, die diesen Kreis wirklich durchbrechen wollte, war die Drachenkönigin. Sie wollte jeden Gegner zerschmettern. Sie hätte, wenn sie nicht feige durch ihren Blümchen-Jon ermordet worden wäre, jedem Haus die Lanze auf die Brust legen lassen, oder den Drachen geschickt. Konsequentes Auslöschen der politischen Gegner hätte das Rad wirklich zerschmettert. Aber jede Revolution hat ihren Verräter. Jede Revolution hat ihren Jon. Und die Drachenkönigin hat nichts weiter als eine Revolution angeführt. Mit befreiten Sklaven, unzufriedenen Adligen (Bürgertum) und abenteuerlustigen Soldaten. Die Drachen nicht zu vergessen.

Eben wie im richtigen Leben. Das mit den Drachen. Und das mit dem Jon. Und das mit den reichen Familien, die sich niemand traut aufzuknüpfen.

Tolle Serie. Schwamm drüber.

Tagged , , , ,