2019, Blog, Kenya

Kenya: Der Anschlag auf DusitD2

Es begann alles mit einem lauten Knall. In einem Auto. Auf einem Parkplatz. Gefolgt von vier Schützen, die auf alles schossen, was sich bewegte. Sicherheitskräfte, Zivilisten. Ein lang geplanter Anschlag auf das Dusit D2 Hotel- und Geschäftszentrum in Nairobi.


Als die Terroristen am 15.Januar 2019 das Areal betraten, ging einer in das Restaurant am Pool und fragte nach seinen Kollegen, was von einem verängstigten Augenzeugen bestätigt wurde. Ein paar Minuten später zündete der Terrorist seine Sprengweste. Seine Körperteile zerteilten sich in kleine winzige Stücke. Nun rannte jeder um sein Leben. Einige Besucher und Angestellte schafften es heraus, aber die meisten Menschen saßen im Gebäudekomplex fest.

An diesem Punkt rückten die restlichen drei Terroristen mit einer komplexen Schießerei vor, während sich die Leute in ihren Büros, andere in Toiletten versteckten. In Panik suchten bis zu zehn Personen in einer einzigen Toilettenkabine Schutz. Da die Terroristen von Tür zu Tür gingen und jeden erschossen, dem sie begegneten, war die Angst groß.

Es dauerte etwa dreißig Minuten, bis die Polizei eintraf. Nach meinen Informationen wurde die erste Kommunikation über den Anschlag zum ersten Mal auf Twitter von einer Geisel auf einer Toilette innerhalb des Komplexes gestartet. Die Sicherheitskräfte, die die Auslandsbotschaften und Einrichtungen um den Komplex herum bewachten, waren einige der ersten, die ankamen. Gefolgt von einer Eliteeinheit der Sicherheitskräfte, die in den letzten Jahren ausgebildet wurde, um mit solchen Ereignissen umzugehen. Zusätzlich Mitglieder des eingetragenen Waffenverbandes, die zur Unterstützung der Geiselrettung dazustießen.

Mittlerweile waren auch die Medien angekommen, die vom Dusit-Gebiet live berichteten. Ein paar Minuten vor 18:00 Uhr wurde ein intensiver Schusswechsel gehört, gefolgt von Geiseln, die von der Polizei und registrierten Waffenhaltern nacheinander hinausgeführt wurden. Ein Hubschrauber leistete Luftunterstützung und überwachte das Gebiet.

Die Dinge wurden wieder für eine Weile ruhig. Als der Generalinspekteur der Polizei eintraf und Status-Updates gab, bat er die Bevölkerung keine Fotos oder Beiträge in den sozialen Medien über die Rettungsmission zu veröffentlichen. Es sollte verhindert werden, dass sicherheitsrelevante Details preisgegeben werden. Ab 22:00 Uhr Ortszeit sollte das nächste Briefing erfolgen. Die Kenianer teilten natürlich alle Daten, Bilder und Videos, die sie auf ihre Timeline bekamen.

Über Stunden waren Schüsse aus dem Inneren des Komplexes zu hören, während immer mehr Geiseln heraus geschleust wurden. Der Generalinspekteur mit ministerialer Unterstützung kam gegen 22:30 Uhr, um die Öffentlichkeit auf den neuesten Stand zu bringen. Sie bestätigten die Anzahl der Terroristen im Gebäude, und dass sie die Kontrolle über sechs von sieben Stockwerken des Dusit-Komplexes erobert hatten. Gleichzeitig verbreiteten sich Videoaufnahmen der Terroristen, die ihre Gesichter zeigten.

Kurz nachdem die Bilder entstanden waren, begaben sich die Kenianer in den sozialen Medien auf die Suche, um die Fotos der Terroristen zu teilen. Einigen Nutzern war es möglich sie mit Namen zu identifizierten, wo sie lebten und wie sie sich sozialisierten. Das war sehr spät in der Nacht und einige Geiseln waren noch immer in dem Komplex eingesperrt.

Um 9.00 Uhr am folgenden Morgen des zweiten Tages hielt der Präsident der Republik Kenia S.E. Uhuru Kenyatta eine Rede zur Lage der Nation, in der er den feigen Angriff der vom Al-Shabaab assoziierten Terroristen verurteilte und bestätigte, dass alle Terroristen über Nacht neutralisiert und getötet worden waren. Auch die Zahl der bei dem Angriff getöteten Geiseln bestätigte sich. Die Bilder der getöteten Terroristen, die im Kugelhagel durchsiebt wurden, waren die meist geteilten Bilder in den sozialen Netzwerken. Mitleid suchte man vergebens.

Während die Ansprache des Präsidenten stattfand, drang die Kriminalpolizei dort ein, wo die Terroristen lebten. Indem sie ihre Kommunikationsprotokolle und die während des Angriffs überwachten Daten aus Mobilfunkmasten und Überwachungskameras auswerteten, wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Personen mit denen die Terroristen häufig kommunizierten, die Geld über M-Pesa, Banküberweisung und auch über Schalter tauschten.

Zu diesem Zeitpunkt wurde bekannt, dass ein Terrorist Kenianische Schilling im Wert von ca. 1.000.000 Euro abgewickelt hatte. Einige davon über M-pesa mit Hilfe einer Person, die über mehrere Telefone verfügte und Geld in großen Mengen und gestückelt vierzehnmal an einem Tag abhob.

Alle Personen, die an den Transaktionen beteiligt waren, wurden verhaftet, einschließlich des Bankkassierers, der den Terroristen bedient hatte, des M-Pesa-Agenten und eines kanadischen Staatsbürgers somalischer Herkunft, der die ganze Zeit über in ständiger Verbindung mit dem genannten Terroristen stand und auch die Person, die sein Auto zugelassen und ihm Nummernschilder gegeben hat.
Die Frau des Terroristen war zu diesem Zeitpunkt bereits nach Somalia geflohen. Die Anti-Terror-Polizei verfolgt sie mit Hilfe der Polizei von Interpol.
Alle Fälle kamen und kommen  vor Gericht. Die Polizei führt bis heute Ermittlungen. Verhaftungen Beteiligter setzten sich fort.

Nach dem Anschlag auf das Westgate Einkaufszentrum 2013 und den danach erhöhten Sicherheitsmaßnahmen, hatte man gehofft, dass sich derartige Angriffe nicht so leicht wiederholen können. Im Vergleich zu 2013 waren die Sicherheitsbehörden aber mit Abstand besser ausgerüstet und vorbereitet.

Das war ein langer und schrecklicher trauriger Tag für Kenia und seine Einwohner.

 

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