2020, Blog, Kenya

Kenya: Die nächste Runde Groundhopping

Bereits im letzten Jahr begleitete ich einen deutschen Groundhopper in Kenya. Dank Mund-zu-Mund-Werbung konnte ich nun Mark aus Berlin treffen und als sein Führer zur Verfügung stehen. Mark nennt sich Sporttourist und ist ein Fußballfanatiker, der den Erdball bereist, um Fussball, Sportstätten und Stadien zu besuchen. Wenn ich versuche das einem anderen Kenyaner zu erklären, schütteln diese nur den Kopf. Ich habe Spaß dabei.

Mark kam bereits im Dezember nach Nairobi nach einem Tipp von Kay aus Hamburg, dem ich bereits helfen konnte. Am 21. Dezember erreichte er Nairobi mit 3 Stunden Verspätung. Verspätungen gehören aber in Afrika zum Alltag, weshalb ich das ganz sportlich genommen habe. Chaos gehört ebenfalls dazu und so wechselte auch öfter das Terminal. Aber auch das hat mich nur fit gemacht.

Als Mark kenyanischen Boden unter den Füßen hatte, brachte ich ihn in sein Hotel und wir aßen im CBD (Central Business District) noch zu Abend. Der Tag war nicht sehr ereignisreich und wir zogen uns zurück.

Am Folgetag hatten wir eigentlich gar nicht viel vor. Im Machakos Bezirk wollte Mark ein Fussballspiel im Kenyatta-Stadion schauen. Eine total einfache Angelegenheit. Wir hatten die Rechnung aber ohne den kenyanischen Fussballverband gemacht.

Zwanzig Minuten vor unserer Abreise zum nahegelegenen Stadion änderte sich plötzlich der Austragungsort. Das Spiel sollte jetzt in einem Stadion im Nakuru Bezirk stattfinden. Nur 153 Kilometer entfernt. Dank der Straßenverhältnisse hätten wir gute drei Stunden benötigt. Welche Entscheidung trifft der Deutsche in einer ausweglosen Situation? Richtig: Wir fahren hin!

Zu meiner eigenen Verwunderung, und ich fahre die Strecke öfter, waren wir 30 Minuten vor Anpfiff am Stadion, um Ulinzi-Stars gegen eine unbedeutende Mannschaft zu schauen. Ulinzi schoss schon in der ersten Halbzeit drei Tore und in der zweiten Hälfte legten sie noch einmal nach. Wir entschieden uns deshalb frühzeitig in Richtung Nairobi aufzubrechen. Maßgeblich wegen der schlechten Straßenverhältnisse. Aber eigentlich wollte ich nicht mit einem Weißen in der Nacht fahren. Es geht in einigen Kreisen unserer Gesellschaft das Gerücht um, dass alle Weißen reiche Leute sind. Und mit einem reichen Weißen in der Nacht durch Kenya ist keine gute Idee.

Wir verließen das Afraha Stadion im Nakuru Bezirk und ich fuhr schneller als sonst. Dank den Straßenverhältnissen und einer plötzlichen nicht ausgeschilderten Umleitung aufgrund einer noch plötzlicheren Baustelle wurde es unerwartet wie jeden Abend dunkel, obwohl wir noch 60 Kilometer Strecke vor uns hatten. Und ja, ich hatte diesen Weißen immer noch im Auto. Um sicher zu gehen, dass ich ankomme, habe ich Mark einfach in einem der Dörfer an eine alte Frau verkauft.

Natürlich nicht. Wir haben das gemacht, was jeder Kenyaner in so einer Situation macht: Ich habe Mark erst ausgeraubt und dann verkauft.

So jetzt reicht es aber. Natürlich haben wir dann wirklich das gemacht, was Kenyaner in so einer Situation tun und Ihr in Deutschland nicht könnt: Wir haben Google Maps um Hilfe gebeten, denn wir in Afrika haben auch außerhalb von großen Städten ein funktionierendes Mobilfunknetz mit 4G und 3G. Auch, wenn Euch das jetzt schmerzt, aber irgendwann werdet Ihr das in Deutschland auch haben.

Dank Google Maps konnten wir uns ganz gut zurechtfinden. Leider war die Umleitungsroute eine Katastrophe. Riesige Löcher, Unebenheiten, fehlende Markierungen und das grundsätzlich fehlende Interesse der meisten Autofahrer ihr Scheinwerferlicht abzublenden, erschwerte die Fahrt. Und wir mussten natürlich auch mal pinkeln. Trotz der Probleme und dem dann doch nicht so entspannten Tag kamen wir am Abend sicher in Nairobi an. Wir aßen im CBD noch eine Kleinigkeit und tranken ein Bier zum Abschluss bevor jeder sich ins Hotel oder nach Hause zurückzog.

Am nächsten Morgen wollte Mark mit dem Bus nach Tansania. Dort warteten wieder Sportstätten auf ihn. Ich half beim Auschecken und wir spazierten noch eine Weile durch das CBD bevor ich ihn beim Bus abgeben konnte. Vier Stunden später war er bereits dort und bestätigte mir die Ankunft im Hotel. Ob er das wirklich war, das weiß ich nicht. Da seine Groundhopping-Webseite (www.stadionbesuch.de) nicht aktuell ist, könnte es auch sein, dass der Busfahrer ihn verkauft hat.

Wenn Du auch mal ein Abenteuer in Kenya erleben willst, dann kontaktiere mich. Wir werden nicht lange suchen müssen.

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