2019, Blog, Kenya

Kenya: Socialmarketing und die Joboptionen

Kenia ist online. Schon lange. Online einkaufen, Geschäfte abwickeln und ein fast einzigartiges mobiles Bezahlsystem definiert uns. Auch deshalb ist Marketing ein Teil jeder Unternehmensstrategie. Soziale Netzwerke sind hier immer noch der Hit. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Was müssen Kenianer tun, um in diesem Arbeitsgebiet Erfahrungen zu sammeln?

In der Regel, nicht unüblich anderswo auf der Welt, erhalten manche von uns Einladungen über soziale Netzwerke. Von Freunden, Bekannten oder Fremden. Ein Termin zu einer Schulung von irgendeiner mehr oder weniger bekannten Person geht viral. Da Kenia eine hohe Jugendarbeitslosigkeit hat, ist es nicht schwer Interessenten zu finden. Und Social-Marketing klingt einfach zu gut. Da wird doch bestimmt jemand ganz schnell reich?

So konnte auch ich einen Termin wahrnehmen. Ich kam zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort an und musste mich registrieren. Man hinterlässt aber nicht nur seinen Namen, sondern auch den Namen derjenigen Personen von der die Einladung stammt. Das Training ist dann relativ einfach. Es werden grundsätzliche Themen besprochen, standardisierte Vorgehensweisen in sozialen Netzwerken. Man kann dieses Wissen vielleicht für andere Produkte nutzen, aber in Wahrheit steht genau das nicht im Fokus. Die Veranstalter versuchen die Teilnehmer zu überzeugen für weitere Seminare zu werben und ihre Bekannten zu animieren an einem Seminar teilzunehmen. Jede Teilnahme einer geworbenen Person wird honoriert. Kommen viele Personen, erhält der Werber ein hohes Honorar. Doch eigentlich ist es nur ein Pyramidenspiel.

Verzweifelte Einzelpersonen und Menschen auf Arbeitssuche zahlen für eine Registrierung zwischen 30 € und 50 € und oft noch 2 € für die Veranstaltung selbst. Wer erfolgreich wirbt, erhält eine kleine Provision. Natürlich direkt überwiesen von seinem Angeworbenen und nicht dem Organisator. Profitieren tun immer nur die Veranstalter. Jedes Level neuer Nutzer hat es bereits schwerer neue Interessenten zu finden, die bereit sind hohe Registrierungsgebühren zu zahlen. Diese Form des Multilevelmarketing ist nur reine Umverteilung von den ärmsten der Gesellschaft zu den reichsten Mitbürgern. Gesellschaftlich und wirtschaftlich ohne Mehrwert. Erfolgreich ist es. Aber nur auf Kosten der Verzweifelten.

Mein Werber hatte mir aus Versehen ein falsches Datum für diese Veranstaltung zugesendet. Obwohl ich daran teilgenommen habe, bekam er keine Provision. Ich sollte aufgrund diesen Fehlers nichts transferieren. So sind die Regeln. Personen, die bspw. für Initiativen wie www.freelancerkenya.com freiwillig bis zu 50 € zahlen, merken erst einige Zeit später, dass das ganze System Betrug ist. Die Hälfte der Monatsmiete ist dann jedoch bereits weg.

 

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