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#netznazis – Wenn Internetportale (Todes)-Listen führen (Update 4)

Der Mord an Walter Lübcke (CDU) hat momentan ein großes Echo. Die Gefahr von Einzeltätern oder Netzwerken einer radikalen Szene erscheint wieder im Fokus von Berichterstattung und öffentlicher Aufmerksamkeit. Gut so. Seit der NSU-Mordserie und der mittlerweile bekannten waffensammelnden Prepperszene (Angst vor Zombie-Apokalypse) und der Diskussion über angebliche Todeslisten, wird es Zeit mal etwas zurück zu gehen in der Timeline. Denn da war doch was …

Bereits 2011 und auch danach wurde vereinzelt über eine Internetseite berichtet. Wenn man auf diese Seite kommt, ist es erstmal eher uninteressant. Es geht um Volksaufstand 2.0 und eine verlinkte Aktion Generalstreik auf Facebook und dem russischen vk.com. Wenig Inhalt, kombiniert mit Angst vor Islamisierung und anderen Dingen.

2011 heißt es

Aufbau einer Erfassungsstelle zur Dokumentation der systematischen und rechtswidrigen Islamisierung Deutschlands und der Straftaten linker Faschisten zur Unterdrückung des Volkes.

Seit 2013 etwas angepasst

Aufbau einer Erfassungsstelle zur Dokumentation der systematischen und rechtswidrigen Islamisierung Deutschlands, der grundgesetzfeindlichen Entdemokratisierung, der Entrechtung des Bürgers und der Straftaten linker Faschisten zur Unterdrückung des Volkes.

Insgesamt aber eine ziemlich langweilige Webseite. Man kann was mit Aufklebern machen, sollte sich an einem bestimmten Tag krank melden, sich an Verfassungsbeschwerden beteiligen. Einige Menüpunkte können nur noch über web.archive.org abgerufen werden. In der Regel geht es um Islamismus.

Aber es gibt eine Subdomain mit einem Wiki. Dieses Wiki wurde bereits 2011 von telepolis oder 2012 von der Zeit aufgegriffen. Es hat zu diesem Zeitpunkt aber niemanden interessiert.

Die dahinter stehende Webseite enthält ein Wiki mit der thematischen Zuordnung: Nürnberg 2.0. Man möchte Prozesse gegen die Verräter von heute starten.

Das Ziel wird klar definiert:

Auf dieser Plattform befinden sich die Namen derjenigen, die deutsches Recht gebeugt oder verletzt haben, um damit dem Vordringen des Islams in Deutschland (und anderen westlichen Ländern) Vorschub zu leisten. Es werden jene Staatsanwälte und Richter namentlich genannt, die ihre Klagen bzw. Urteile nicht nach deutschem Recht, sondern nach rechtlichen Aspekten der Scharia erheben bzw. fällen und damit gegen deutsches Recht verstoßen, ebenso Richter und Staatsanwälte, die in ihren Urteilen bzw. Plädoyers einen deutlich erkennbaren “Migrantenbonus” einfließen lassen.

Darüber hinaus werden solche Personen registriert, die durch linke Ideologie aktiv die Zerstörung unseres Heimatlandes betreiben.

Dokumentiert werden weiterhin Fälle, in denen

– Politiker, Wissenschaftler, Kirchenvertreter u.a. die wahren Informationen und Daten über verschiedene Aspekte der Islamisierung (z.B. Sozialkosten der Immigration, Statistiken der Migrantenkriminalität (insbesondere der Kriminalität durch islamische Immigranten) beschönigen oder verfälschen,

– Politiker, die Maßnahmen oder Gesetze initiieren mit dem Ziel, dass eine Erfassung von Straftaten und sonstigen demografischen Aspekten aus Gründen der Verschleierung nicht nach Herkunft und Religion der zu untersuchenden Bevölkerungsgruppen erhoben werden darf,

– Journalisten, die aus Gründen der “political correctness” bei Berichten über Migrantenkriminalität die wahre Herkunft der Täter verschleiern und damit ihre Leser massiv täuschen

Namen von Journalisten, Autoren, Wissenschaftler und anderer Personen, die über den Islam bzw. die Islamisierung Deutschland und Westeuropas erkennbar beschönigend oder verfälschend berichten, werden in einer gesonderten “Schwarzen Liste” aufgeführt und für jedermann sichtbar gemacht.

Und tatsächlich kann man sich durch zwar keine 10.000e Namen umfassenden Listen arbeiten, aber dennoch findet man die Feinde der Betreiber der Webseite. Dazu gehören aber nicht nur Personen. Also Journalisten, Filmemacher, Politiker oder Polizisten, sondern auch Firmen und Organisationen. Ein Teil der Listen umfasst nur die Namen ohne weitere Begründung. Ein anderer Part soll eine Art Aktensammlung sein, um eine Anklage durchzuführen wegen der oben zitierten Vorwürfe. Bilder und private Informationen fehlen nicht.

Die Anklageakten sehen dabei so aus:

Man gibt sich hier schon ein bisschen Mühe ein bedrohliches Bild zu zeichnen.

Mit den Beweisen ist es dann aber in der Regel ziemlich mau.

Organisatioen haben keine Akte. Anhand mancher Einstufungen kann man erahnen warum sie aufgezählt werden. Beispielsweise: LifeBoat gGmbH i.G. – Schlepperorganisation. Warum aber bspw. Firmen wie Schiffsdieseltechnik Kiel GmbH – Schiffsbau genannt werden, erschließt sich nicht.

Das Register für Einzelpersonen umfasst ebenfalls eine Menge Personen. Und bereits seit einigen Jahren stand auch der ermordete Walter Lübcke (CDU) auf der Liste der Einzelpersonen, aber ohne Akte.

Vielleicht ist diese Liste klein. Aber geben tut es sie. Und bei all dem Hass, der Angst und der Ideologie dahinter wird sich immer jemand finden, der sich berufen fühlt oder soweit aufgestachelt wurde, um Richter und Henker zu spielen.

Ab wann verantwortliche Sicherheitsbehörden das Problem ernst nehmen wollen, lässt sich nur erahnen. In Hessen hat Schwarz/Grün bekanntlich die NSU-Akten für 120 Jahre gesperrt. Akten in denen der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke genannt wird. Leider dürfen die Akten nicht einmal von Ermittlern genutzt werden.

 

Update 24.06.2019

Ein Leser scheint die Seite über die ich geschrieben habe, gehackt zu haben. Durch die Artikel-Verlinkung war es auch leicht sie herauszufinden. Ich wollte sie nicht direkt verlinken. Durch den Hack wurde mit eine Liste zugestellt mit 24521 Namen, Adressen und stellenweise Telefonnummern. Einige Einträge aus meinem Umfeld werde ich jetzt prüfen und auch andere um Hilfe bitten.
Du hast mir jetzt echt viel Arbeit gemacht.

 

2. Update – 25.06.2019

Du hast Dir bestimmt einen Datenbankabzug gezogen. Wann ist der letzte Eintrag erfolgt? Das wäre wichtig, um deren Arbeit nachzuvollziehen. Wir checken die Liste auszugsweise in momentan zwei Bundesländern.

3. Update – 25.06.2019

Die Liste ist alt. Es handelt sich um eine angebliche Antifa-Liste. In Wahrheit ist die Liste eine Kundendatenbank, die fälschlicherweise von Rechten vor einigen Jahren (genauer 2015) verbreitet wurde und scheinbar immer noch auf rechten Seiten vorgehalten wird. Ich bin etwas erleichtert. Schlaf wird eh überbewertet.  Die Person, die mir die Liste zukommen ließ, betonte die Seite nicht gehackt zu haben.

4. Update 15.07.2019

Die Liste wurde nach Zeitungsartikeln tatsächlich auch im Zusammenhang mit der NSU und Nordkreuz gefunden. Die Sicherheitsbehörden haben eine “abstrakte Gefahrenlage” erkannt, was dazu führt, dass niemand informiert wird. Völlig daneben. (Artikel 1, Anfrage mit Antwort, Artikel 2) Die Liste ist auch weiterhin auf rechten Webseiten zu finden. Die Liste ist aber auch kein Geheimnis. Bedeutet, dass alle Personen auf dieser Liste Ziel rechtsradikaler Wirrköpfe sind, kurz auch Rechtsterroristen genannt.

Als die Webseite kurzzeitig nicht erreichbar bzw. gehackt aussah, wurde sie etwas verändert. Nach nochmaliger Prüfung wurde der damals mit auf der Liste stehende und ermordete Walter Lübcke nun entfernt.

vergleiche 24.Juni:

mit 15.Juli 2019:

 

Da hing den Rechtsterroristen hinter dieser Webseite wohl ein Stift in der Hose. Die Internetarchive (https://web.archive.org) haben noch Kopien älterer Stände der Liste mit Walter Lübcke.

 

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