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Pro Google

Das EU-Parlament hat in einer Resolution die Zerschlagung des Geschäftsmodells von Google gefordert. Suchmaschine und andere Dienste sollten getrennt werden. Suchmaschinen wie Google sollen Ihre eigenen Dienste innerhalb ihrer eigenen Webangebote nicht besser listen dürfen als die Angebote der Konkurrenz. Also einfach mal die schlechteren Angebote oben anzeigen.

Eine Resolution ist vergleichbar mit einer Meinungsäußerung. Hier nur von einer kleinen Gruppe. So wirklich einstimmig war es nicht. Die Konservativen (auch CDU) waren die Verantwortlichen. Es besteht für Niemanden ein Zwang der Meinung zu folgen. Resolutionen werden gerne dann genutzt, wenn man eigentlich gar keinen Einfluss auf eine Sache hat. Sie dienen der Anbiederung an eine Interessengruppe. Resolutionen sind zahnlose Entscheidungen, die aber durchaus in der öffentlichen Wahrnehmung stärker angesehen werden, als sie wirklich sind. Vor allem, wenn eine Resolution durch eine Gruppe druchgedrückt wird, die die Mehrheit hat. Weicheier! Die wirklich wichtigen Entscheidungen gehen oft unter.

Als ein Gegenbeispiel: Habt Ihr gewusst, dass der Paragraf 108 e im Strafgesetzbuch seit 01.09.2014 eine Verschärfung erlebt hat? Nein? Natürlich nicht. Keine Sau mit Millionen Leser hat darüber berichtet. Der § 108 e behandelt die Abgeordnetenbestechung. Abgeordnetenbestechung ist seit September 2014 in Deutschland unter Strafe. Und nicht nur im Bundestag. Die Strafwürdigkeit wird durchgereicht bis hinunter zu den Städten und Gemeinden. Ich befürworte diese Verschärfung aus ganzem Herzen und hoffe, dass diese Regelung mit Leben gefüllt wird (werden kann).

Kommen wir aber zurück zu Google und dem EU-Parlament. Warum will das EU-Parlament Google beschneiden? Angeblich, weil Google zu viel Macht hat. Google bietet bspw. folgende Dienste an: E-Mail-Provider, Webhoster, Entwicklungsplattformen, Werbung, Suchmaschine und soziales Netzwerk. Google verdient Geld mit Werbung. Google sorgt dafür, dass Webseitenbesitzer Traffic erhalten. Kostenlos und natürlich gegen Bezahlung (Werbung)! Google bietet Open Source Software an und hat der Open Source Gemeinde bereits viel Gutes gebracht. Erinnert euch an Chromium / Google Chrome. Die Sicherheitsforscher von Google sind ebenfalls nicht untätig. Google hat mit Android dem Smartphone/Tablet-Markt mehr Konkurrenz beschert. Außer der Werbegeschichte gibt es keinen wirklich weitverbreiteten Dienst, der den Nutzern Geld abverlangt oder irgendjemanden zu irgendwas zwingt. Die Nutzer bezahlen meist mit Ihren Daten und den Daten, die aus Ihrem Nutzerverhalten herausanalysiert werden. Dazu kommt noch, dass Google durchaus gewichtige Konkurrenz hat. Apples Karten-Dienst sei nur erwähnt. Das soziale Netzwerk Google+ greift auch nicht wirklich nach dem ersten Platz.
Eine Trennung von Suchmaschine und anderen Diensten widerspricht dem Informationsgeschäftsmodell von Google. Du suchst was? Google bietet Dir ein Ergebnis und darüber hinausgehende Informationen und kommerzielle Angebote an. Diese Angebote (Links) wiederum lässt es sich von denen bezahlen, die ein Interesse haben, dass ihre Inhalte genau bei denen landen, die auf der Suche danach sind. Keine sinnlose Werbung mehr. Gezielte Werbung. Ist nun mal effektiver. Aber auch hier ist Google nicht alleine auf dem Markt.

Wenn wir aber mal das Thema Daten aufgreifen: Es ist schlichte Realität, dass im Internet Daten als Währung genutzt werden. Facebook tut es. Yahoo tut es. Google tut es. Alle tun es! Alle Verknüpfen Surfverhalten, Suchbegriffe und Onlinehandlungen miteinander. Was ist der Unterschied zwischen den Anderen und Google? Google ist am erfolgreichsten! Alle nutzen Google. Alle profitieren von Google.

Erinnern wir uns an das Leistungsschutzrecht. Das Ergebnis der Aktivitäten der Leistungschutzrechtslobby war der Verlust von Traffic, Besuchern, Werbeeinnahmen und weniger Aufmerksamkeit. Die Leistungsschutzlobby wollte nicht, dass Google Ihnen kostenlos Besucher bringt. Sie wollten, dass Google dafür bezahlt Ihnen Traffic zu besorgen. Die größte Blamage für einige Verlage in Europa. Eine Blamage mit Ansage. Ein toter blinder Zombie hätte das kommen sehen.

Das EU-Parlament hat mit seiner Entscheidung gezeigt, dass es das Internet nicht verstanden, dass es eine merkwürdige Auffassung von Marktwirtschaft hat und großes Interesse daran, sich einigen Kreisen anzubiedern, die ausschließlich wirtschaftliche Interesse haben die Vormachtstellung von Google zu brechen, obwohl Google Ihnen kostenfrei Einnahmen beschert. Und die beteiligte CDU, als große Verteidigerin der Marktwirtschaft, zeigt ihr wahres Gesicht. Da kamen Zitate zusammen wie: “von besonderer Bedeutung für die Wahrung der Wettbewerbsbedingungen im digitalen Binnenmarkt”. Binnenmarkt und Internet! Das ist in etwa so wie friedliche Revolution. Revolutionen sind nie friedlich. Und ein digitaler Binnenmarkt ist ein lokales Netzwerk. Nix mehr mit Internet.

Google hat eine Stellung, die sich Google aufgrund seiner Leistungen, Ideen und Entwicklungen erarbeitet hat. Die, die Google bekämpfen, sollten eher versuchen qualitativ höherwertige Dienste und Inhalte anzubieten. Dann klappt es auch mit den Kunden und den Marktanteilen.

Hätte das EU-Parlament Arsch in der Hose und würde es ehrlich mit den Kunden meinen, dann hätten wir bereits auf dieser Ebene effektivere Datenschutzvorgaben und Datenverarbeitungsrichtlinien. Davon haben die gut bezahlten Damen und Herren aber noch weniger Ahnung. Oder sie würden sich für Netzneutralität einsetzen und den Telekommunikationsfirmen auf die Füße treten. Oder auch einfach mal den Banken in die Eier treten.

Nach der Logik dieser Resolution des EU-Parlaments wäre es durchaus angebracht eine Zerschlagung deutscher Verlage zu fordern, die mehr als zwei Webseiten betreiben. Warum? Weil sie mehr Inhalte anbieten und mehr Besucher haben als kowabit.de und ich ja so voll traurig bin, dass mich keiner lieb hat.

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