2019, Blog

Streamen bis die Hölle gefriert

Einige Onlineportale berichten über die weit fortgeschrittenen Ambitionen von Disney auch ins Streaming-Geschäft einzusteigen. Aus diesem Grund hat Disney bereits Verträge mit Netflix nicht verlängert und wird eigene Produktionen von dort zurückziehen. Auch Apple steigt ein. Den meisten Nutzern ist Amazon, eben Netflix und bspw. noch Maxdome bekannt. In Deutschland seit Jahren als Bezahlfernsehen Sky, das jedoch mittlerweile auch per App und Stick genutzt werden kann. Bei immer mehr Anbietern, mit immer mehr Abschottung durch Eigenproduktionen, die woanders nicht zu sehen sind, wird es für den Kunden schwieriger sich zu entscheiden. Was macht da eigentlich noch Sinn? Vor allem wegen den Kosten?

Disney soll angeblich 2020 mit einem Kampfpreis von 6,99 € in Europa starten. Das ist natürlich weit günstiger als bspw. Netflix mit in Zukunft 11,99 € oder 15,99 €, wenn wir das SD-Angebot mit 7,99 € mal ausblenden. SD auf neuen Fernsehergenerationen macht selbst für mich keinen Sinn mehr. Maxdome mit seinen 7,99 € ist natürlich ebenfalls noch günstig. Apples Streamingdienst soll um die 15 € kosten, womit im Grunde nur das eigene Klientel angesprochen wird, dass auch bereit ist viel zu teure Technik einzukaufen. Auch Amazon Prime mit seinem Streamingangebot ist für 7,99 € zu haben.

Da ich von Apple nicht viel halte und auch nicht vor habe dort jemals Kunde zu werden, blende ich diesen golden Käfig mal aus und wird daher in der näheren Betrachtung keine Rolle spielen.

Was will der Kunde und was bekommt er?

Da die Mehrzahl aller Nutzer sich keine Geschäftsbedingungen durchlesen, werde auch ich die ganze Sache mal typisch oberflächlich betrachten. Ich blende mal aus auf wie vielen Geräten man das Angebot nutzen kann und ob es Nutzerprofile gibt etc.

Erstmal bieten alle Streamingplattformen Serien und Filme, die nicht immer oder gar nicht auf den anderen Plattformen inklusive sind. Wer also eine breite Palette an Serien und Filmen konsumieren möchte, könnte sich unter Umständen zwingen einmal Maxdome, Amazon und Netflix zu  besorgen. Das macht dann 7,99 € + 7,99 € + 11,99 € pro Monat. Damit sich das lohnt, müsste man sich wenigstens pro Anbieter eine Staffel einer Serie pro Monat reinziehen. Gehen wir von den mittlerweile fast überall durchschnittlich 10 Folgen pro Staffel aus, mit großzügigen 60 Minuten Laufzeit, bedeutet das den zwangsweisen Konsum von 1.800 Minuten Serienspaß. Etwa eine Folge pro Tag. Der durchschnittliche Deutsche konsumiert jedoch ein paar mehr Stunden Unterhaltung am Tag. Der Wert lag die letzten Jahre immer ein bisschen über 200 Minuten. Wenn wir von zwei Stunden ausgehen, wären also 6 Staffeln pro Monat drin. Reizen wir die knappen 200 Minuten aus, wären das sogar 9 Staffeln pro Monat. Ziemlich fett.

Die Streaminganbieter habe alle ein reichliches Angebot. Manchmal laufen Verträge aus, dann verschwinden wieder einige Angebote, aber neue Unterhaltung kommt hinzu und wird selbst produziert.

Wenn jetzt Disney hinzukommt, bedeutet das, dass bspw. Disneys Kinderfilme, Start Wars und wohl auch Herr der Ringe und ein paar langweilige Superheldenserien nur noch dort zu finden sind. Wer also Fan ist, müsste diesen Service zusätzlich buchen. Dann wäre man bei monatlich guten 35 €. Die Rundfunkabgabe ist da nicht mit drin. Das macht pro Jahr 420 €. Das ist eine Menge Geld.

Derartige Preise werden wohl eher dazu führen, dass die Menschen sich mehrmals überlegen werden welchen Service sie wann buchen. Der Vorteil ist bei allen, dass man einfach einen Monat bucht und wieder kündigen kann. Es wäre also möglich jeden Monat einen neuen Anbieter zu haben. Sinnvoll, wenn man sparen will. Wer sich genau überlegt, wann er welche Serien gucken kann und nicht zwischen mehreren Angeboten hin und her springen muss oder will, kann seinen Unterhaltungsdrang natürlich steuern. Es ist auf alle Fälle empfehlenswert.

Der Anbieter Sky mit bspw. Sky Ticket ermöglicht sogar den Zugriff auf Serien und Filme, die mit dem US-Start ausgestrahlt werden. Man kann also Serien viele Monate vor den anderen Anbietern genießen. Nachteil bei Sky ist der schnelle Verfall der Rechte an den Serien. Wer jetzt einsteigt, wird bspw. Serien finden von denen gerade nur die 9. Staffel abrufbar ist. Sollte man die Serie nicht kennen, macht das natürlich keinen Sinn. Sky Ticket ist mit 9,99 € ein vergleichbares Angebot.

Wir haben uns daheim tatsächlich auch für einen solchen bzw. einen ähnlichen Weg entschieden. Ich bin der einzige im Haushalt mit festen Unterhaltungsinteressen. Neue Star Trek Verfilmungen landen bei Netflix, also bin ich da gebunden. Aber eben nicht mehr auf Dauer. Die angekündigte Preiserhöhung auf 11,99 € trage ich nicht mehr dauerhaft mit. Also gekündigt. Sobald sich jetzt ein bis drei Serien von Interesse ankündigen und alle vollständig abrufbar sind, wird wieder für ein oder zwei Monate gebucht. Amazon Prime nutzen wir für Dokumentationen. Das hat sich eingespielt. Aber auch dort werden wir in Zukunft nur noch 6 Monate pro Jahr sein. Das reicht aus. Die Kündigung wird vorbereitet zur Mitte des Jahres. Natürlich wollen wir aber unterhalten werden, deshalb versuchen wir jetzt trotz der Nachteile mal Sky Ticket aus. Aber auch nur für einen kleineren Zeitraum. Der Plan ist, dass wir keine 420 € pro Jahr oder 350 € oder wie bisher ca. 200€ abdrücken. Warum auch. In der Regel schaut man, wenn man nichts zu tun hat, es kalt und nass draußen ist oder man krank auf der Couch liegt. Unser Plan ist mehr Vielfalt, besser gesteuert und mehr gespart als bisher. Das Gute ist, dass, wenn man sich mit Veränderungen beschäftigt, man auch mal sauber machen kann.

Also sieht der Plan wie folgt aus:

Fünf Monate Sky Ticket mit 9,99 € pro Monat, macht rund 50 €.

Noch zwei Monate Amazon Prime mit 7,99 € pro Monat, macht rund 16 €. Parallel.

Zum Ende des Jahres mit drei Monaten wieder Netflix mit 11,99 € je Monat, macht rund 36 €.

Das wäre in diesem Jahr eine Ersparnis von 72 € für Netflix und 48 € für Amazon. Vier Monate fallen in der Rechnung raus, da sie ja schon mal weg sind, wo Netflix und Amazon parallel liefen. Durch den neuen Sky-Dienst eine Ersparnis von rund 70 € in diesem Jahr.

Ab 2020 dann komplett anders. Die drei Service auf einen Zeitraum von Januar bis Dezember gerechnet, aufgeteilt mit jeweils 4 Monaten Laufzeit, kosten in Zukunft rund 120 € pro Jahr. Also circa 10 € pro Monat im Jahresdurchschnitt. Das ist vollkommen ausreichend.

Disney wird es bei uns nicht geben. Star Wars ist seit Disney kein Star Wars mehr, sondern viel Effekt und eine charismafreie Story. Eine Herr der Ringe Serie ist erstmal nicht von Bedeutung für uns und Familienfilme gibt es auch außerhalb von Disney.

Eines der Probleme der Streaminganbieter, neben der Abschottung, ist natürlich das Schaffen von eigenen Inhalten. Sie brauchen Drehbücher, Schauspieler und das nötige Personal zum Drehen. Die Streaminganbieter glauben natürlich auch, dass sie unbedingt bekannte Schauspieler benötigen. Und wenn eine Serie erfolgreich ist, dann müssen bisherige Schauspieler gehalten werden. In einem amerikanischen Journal habe ich mir die Verdienste einiger Schauspieler angesehen. Nach drei Folgen hat so mancher bekannter wie unbekannter Schauspieler bereits mehr verdient als eine Krankenschwester in Deutschland netto in ihrem ganzen Leben. Auch dadurch stellt sich die Frage, wie weit will man diese soziale Spreizung unterstützen? Ist Unterhaltung soviel Wert?

Wir werfen in Zukunft nur noch ca. 33 Cent pro Tag in den Hut der Unterhaltungsindustrie. Mehr ist es uns nicht wert. Als es noch kein Streaming über ein weltweites Netzwerk gab, sind wir auch alle klargekommen.

Gleichzeitig wird es natürlich viele Nutzer geben, die gerne parallel alles schauen möchten, was sie interessiert. Ich gehe deshalb davon aus, dass es in den kommenden Jahren wieder eine wachsende illegale Streamingkultur geben wird. Wer will schon fünf verschiedene Sticks kaufen oder fünf oder mehr zusätzliche Streaming-Apps auf seinen Geräten pflegen, wenn es eine Webseite gibt, die alles anbietet?

 

PS: Mit keiner der genannten Firmen besteht ein Werbevertrag. Der Beitrag ist schlicht Erfahrung, Meinung und Strategieempfehlung.

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