2016, Blog

Traffic Exchange | Das Sicherheitsrisiko

Im Mai diesen Jahres hatte ich einen Test beendet, um dem Sinn und Unsinn von Onlinewerbung nachzugehen. Das Ergebnis war relativ ernüchternd. Zwei Tests, zum Verlgeich mit dem folgenden Thema, rufe ich kurz als Erinnerung zurück. Getestet hatte ich Googles Werbeprogramm. Es war das Beste, aber für mich ungeeignet. Ich hatte klamm getestet und war auch hier entsprechend ernüchtert über die Sinnlosigkeit. Ein Onlinemarktplatz zum Werbungbuchen und zum Werben ohne jeden weiteren Mehrwert für den Nutzer ist Lebenszeitverschwendung.

Doch kommen wir heute erneut auf diesen uralten Internetgedanken zurück und gleichzeitig zur Lösung des Problems eines jeden Webseitenbetreibers: Wie bekomme ich viele Besucher auf meine Webseite? Billig und schnell? Und wie erhöhe ich mein Ranking, bspw. in Alexa?

Nun, das Beste ist natürlich ein hochwertiges Produkt anzubieten. Einen coolen Blog (so wie diesen hier 😉 ) oder etwas Besonderes, das noch niemand bieten kann. Dieses Projekt muss man dann über Jahre hinweg durchhalten und alles wird gut. Wirklich! (Spendenhut hinhalt!) Dann klappt das mit nem guten Alexarank, falls man das für sein Ego benötigt, und die Leute kommen auch immer mal wieder vorbei.

Oder man gibt Geld für Werbung aus, um sein Produkt über Google zu platzieren, oder nutzt Sinnlosmarktplätze, um Banner und Links zu kaufen. Natürlich geht es noch einfacher und billiger. Und die Lösung heißt: Traffic Exchange! Wählt man diese einfache und billige Methode hat man folgende Entschlüsse gefasst:

  1. Die eigene Seite ist Müll!
  2. Die Rückkehr von Besuchern ist egal!
  3. Die Zielgruppe spielt keine Rolle!
  4. Entweder man benötigt geschönte Statistiken für das eigene Seelenheil, oder man ist schlicht ein Abzocker.

Wir wollen jetzt Traffic Exchange betreiben, um unser sinnloses und im 1993er Look betriebenes Webprojekt zu bewerben. Wir googlen erstmal Traffic Exchange cheap. Wir wollen einen billigen Anbieter, weil wir insgeheim wissen, dass unser Webprojekt Müll ist und jede Investition verschenktes Geld. Von den Ergebnissen wählen wir einen Anbieter aus, der uns am meisten Hits verspricht und wenig kostet. Dann melden wir uns dort an. Entweder wir müssen gleich eine kleine Summe zahlen und erhalten zusätzlich einen schönen großen Willkommensbonus an Hits oder Besuchern, so dass wir selbst gar nicht Tauschen müssen, oder wir nehmen aktiv am Tausch teil, weil wir Geld sparen wollen und uns unsere Tauschcredits verdienen müssen. Gar nicht so einfach der Quatsch.

Wir entscheiden uns nicht mehr als ca. 10 $ auszugeben. Erhalten je nach Angebot 50.000 Hits oder 200.000 Hits. Vorsicht: Es könnten Abos dahinter stecken! Und nicht vergessen: Hits sind nicht gleich Besucher. Das ist Absicht, denn der Aufruf einer Webseite verursacht immer mehrere Hits. Und wenn ein Tauschpartner in einer gewissen Zeit zweimal oder dreimal auf unsere Webseite geht, dann sind das eben nur Hits und trotzdem nur ein Besucher.

Und genauso läuft das auch. Über die Plattform geben wir an wieviele Hits pro Stunde wir haben wollen, oder ob uns egal ist, wie viele es sind. Wer eine Kampagne fährt, kann so die Besucherströme steuern und bspw. einen regelmäßigen Traffic aufbauen. Wer 200.000 Hits gekauft hat, könnte bspw. ca. 277 Hits pro Stunde über 30 Tage verteilen. Um das Maximum an Besucher/Hits zu erreichen, können wir die Nutzer maximal 10 Sekunden zwingen auf unserer Seite zu bleiben. Kontinuierliche kurze Seitenaufrufe. Die Seitenaufrufe werden durch Besucher generiert, die kein Geld ausgeben wollen oder können und sich eigene Hits verdienen möchten. Sie können jedoch immer wieder auf unsere Seite gelangen.

Sinn macht das nicht. Denn schlicht kein einziger Besucher wird sich für unser Webprojekt interessieren. Es geht nur darum eigene Hits zu produzieren und dann wiederum andere Leute, oder mich, wenn ich am Tausch teilnehme, auf das eigene Projekt zu holen. Für wenige Sekunden.

Wenn ich in die Rolle des Tauschpartners schlüpfe, starte ich eine Toolbar oder eine einfache Webseite mit einem Frame in dem für die von den Kunden gekauften Sekunden deren Webprojekte angezeigt werden.

Toll! Es werden einfach nur Daten um die Welt geschickt, die Niemanden interessieren!

Das Browserfenster schiebe ich in den Hintergrund und lasse es einfach laufen. Wenn ich das 24 Stunden laufen lasse, kann ich gut 5.000 Hits aufwärts verdienen und mir dafür wieder entsprechend Besucher eintauschen.

Es hat aber einfach keinen Sinn.

Die Rechner laufen 24 Stunden und all die tausende Aufrufe sind genauso viel Wert wie Online-Freundschaften mit Unbekannten in sozialen Netzwerken. Die Geräte verbrauchen Strom, der Verschleiß gehört dazu und seinem Projekt tut man damit keinen Gefallen und sich selbst auch nicht.

Alleine deshalb ist es sinnlos.

Aber nicht umsonst, habe ich in der Überschrift das Wort “Sicherheitsrisiko” untergebracht. Wenn man nun 24 Stunden lang über viele Tage diesen Webseitentausch durchlaufen lässt, geht man ein ziemliches Risiko ein. Da die besuchten Seiten völlig unbekannt sind und dazu auch noch völlig ungeprüft durch den Traffictauschanbieter, ist die Gefahr ziemlich hoch, dass man auch auf infizierte Seiten zugreift. Andersherum bieten sich diese Besuchertauschbörsen auch an, um selbst Malware kostenlos zu verteilen oder wenigstens ziemlich günstig. Da niemand diese Sache prüft, würde es noch nicht einmal auffallen, wenn man bedenkt, dass man bis zu 360 Seiten pro Stunde (10 Sekunden pro Seite, 6 pro Minute, 360 pro Stunde) im Hintergrund aufruft. Eine Historie gibt es nicht, falls es einen dann mal erwischt.

Sicher werden einige sagen: “Ach, das ist nur Panikmache lieber kowa!” Aber der liebe kowa wird dann sagen: “Du hast keinen Firewall, Mäuschen! Dann würdest Du das wissen!”

Meine Statistik nach ca. 7 Tagen Dauertest

Malware in bytes:

malware in bytes

Kann man schlecht lesen? Stimmt! Es war so viel Müll der versucht hat sich durchzuschummeln, dass mein Monitor zur Anzeige nicht ausreichen würde. In der Regel registriere ich ca. 21 Angriffe pro Monat, die nicht mal 10.000 bytes ausmachen. Hier läuft mein Firewall aber heiss. Dank Traffic Exchange.

Der Trafficverbrauch über den heimischen Internetanschluss sieht für nur wenige Stunden so aus:

hits aus dem netzwerk

Sieht jetzt nicht nach viel aus, aber es kostet Euren Traffic und Eure Leistung und damit Euren Strom. Auch das sollte man mit einberechnen, wenn man so einen Mist macht.

Am schönsten ist aber die genaue Malware Statistik der letzten 7 Tage:

malware statistik

Am Anfang ging es noch, aber um so länger gesurft und umso mehr Webseiten besucht werden sollten, umso schlimmer wurde es. Hätte ich keinen Firewall der den unverschlüsselten Traffic auf bekannte Malware prüft und würde ich kein Linuxsystem für sowas benutzen, wären andere Betriebssysteme wohl bereits in die Knie gegangen. Und Dank meiner Blockliste konnten einige Webseiten auch nicht aufgerufen werden! Übrigens Werbenetzwerke! 😀

Würde ich eine eigene Malware-Kampagne fahren wollen, so würde ich 50.000 Hits kaufen und sie gleich mit voller Wucht verbraten. Maximal einen Tag. Keiner der dann infizierten Nutzer könnte auch nur ansatzweise nachvollziehen, woher der Müll kam. Und herzlichen Glückwunsch, Du hast Dein erstes eigenes weltweites Botnetz!

Traffic Exchange? Ein NO-GO!

Zusätzlich ist das Wissen um diese Art des Besuchermanagements für Kampagnenbetreiber interessant. Wenn Ihr bspw. eine Werbefirma beauftragt eine Kampagne zum Thema XYZ zu starten, vorrangig natürlich im Internet, und Ihr erwartet natürlich, dass die Kampagne Besucher anzieht, so könnten Euch Werbefirmen relativ günstig über den Tisch ziehen. Für 70 € bis 100 € Euro sind 1 Million oder 2 Millionen Hits, aber auch echte Besucher, kein Problem. Eingepreist kann so ein Mist immer werden. Natürlich teurer! Aber Erfolg habt Ihr damit nicht! Ist eben nur was für die Statistik. Aufgrund dieser manipulierter Statistiken gibt es dann Meetings wo Kampagnen ausgewertet werden und SEO-Manager einen Bonus erhalten. Sollte es dennoch nicht mit dem Verkauf des Kampagnenproduktes geklappt haben, wird es wohl am Produkt selbst oder am Verkäufer gelegen haben. Die Verursacher können wir dann ja feuern!

Wenn Ihr also Kowa beauftragen würdet: Mach mir ne Webseite zum Thema ABC und ich möchte 1 Million Besucher pro Monat über ein Jahr lang. Dann würdest Du genau das von mir bekommen. Ich reibe mir die Hände und Du zahlst. Nur bringen wird es Dir nichts. Das ist dann aber nicht mein Problem. Auftrag ist Auftrag!

😉

 

PS: Ich muss jetzt noch 170.000 Hits verbraten …

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