2018, Blog

Unterschiede.

Stellt Euch mal vor Ihr fahrt mit einer afrikanischstaemmigen Person mit dem Auto und geratet in eine Polizeikontrolle. Und der erste Satz der vom Polizeibeamten kommt: “Ah ein Neger. Wie geht es Dir?”
Ich glaube der Aufschrei waere sensationell.

Jetzt bin ich die vierte Woche in Kenya unterwegs. Und wie meine Frau ab und zu meint: “Wir Afrikaner sind manchmal viel schlimmere Rassisten als Ihr.” sollte mal geprueft werden. Diesen Eindruck und diese Erfahrungen habe ich nicht gemacht. Jedenfalls nicht vom deutschen Standpunkt aus. Es gibt Unterschiede im wahrgenommenen Rassismus bzw. bei wahrnehmbaren Unterschieden.

Von der Fahrt nach Nairobi nach Kisumu sind wir in einige Polizeikontrollen gekommen. Ein Polizist fragte nach Soda, weil es so warm war. Was tatsaechlich stimmte. Er bekam umgerechnet 50 Cent zugesteckt und die Sache war erledigt. In einer anderen Kontrolle sollten ca. 30 Euro gezahlt werden, sonst gibt es den Fuehrerschein nicht zurueck. Wenn man Zeit hat, kann man bis 18 Uhr warten. Dann ist Feierabend und sie geben die Papiere zurueck ohne unberechtigte Strafen einzukassieren. Oder man zahlt. Unser Begleiter konnte die Jungs auf 5 Euro runterhandeln. Andere Kontrollen dienen nur den Matatus. Den gefaehrlichen und umgebauten Minibussen, die zu Tausenden hier fahren. Da steht man manchmal im Kontrollstau drin und dann sehen sie den Kowa im Auto: “Muzungu, how are you?” Muzungu oder Zungu werden im Grunde die weissen Besucher aus Europa genannt. Bei uns waere das eine Reduzierung auf die Hautfarbe. Ich muesste also Rassismus bruellen. Die urspruengliche Bedeutung liegt zwar eher bei “Wanderer”, denn die meisten Wanderer in Afrika waren im 18.Jahrhundert eben weisse Leute aus Europa.

Waehrend das N-Wort bei uns jedoch in der Regel eine Herabsetzung ist, die aus dem 19.Jahrhundert ihren Weg bis heute gefunden hat und mit Sklaverei und dem Glauben an zweitklassige Menschen zu tun hat, ist Muzungu anders einzuordnen.

Bei eher weniger gebildeten Schichten entsteht Angst und Unbehagen, wenn “der Neger” gesichtet wird. Angst vor dem Anderssein. Die demokratische Gesellschaft erlaubt dieser Schicht dann rechtsradikale Parteien zu waehlen, um sich besser zu fuehlen.

Kommt der Muzungu, obwohl er geschichtlich fuer Sklaverei und Massenmord verantwortlich war und bis heute die Welt kaputtmacht, entsteht eine andere Art der Diskriminierung, die ich sehr wohl wahrnehme.

Wenn ich hier in Kenya ueber Maerkte gehe oder es um Preise fuer Unterkunft geht, ist es ueblich, dass man einer Gruppe in der ein Muzungu mitlaeuft erstmal dreimal so hohe Kosten auferlegen will. Wenn man Pech hat, sind die Preisunterschiede bereits auf Schildern festgelegt. Wir waren in einem Ressort in Kisumu. Die Nacht fuer Kenyaner sollte ca 40 Dollar kosten. Fuer Auslaender 185 Dollar. Ist natuerlich Unsinn und fuehrt definitiv nicht zu mehr Gaesten.
Wenn ich einen kleinen Ball aus chinesischer Produktion auf den Sonnenscheinmaerkten kaufen will, dann verlangt man anfangs durchaus 200 KSH, momentan etwa 1,75 Euro. Der Kenyaner kann zwischen 50 KSH und 100 KSH davonkommen. Das ist bei fast allen Dingen so. Nicht ueberall, aber haeufig. Am Haeufigsten, wenn betreffende Haendler mich noch mit Muzungu begruessen. Sollte das Wort jedoch fallen, antworte ich oft nur, dass “Muzungu keine Zeit hat”. Ich kaufe bei diesen Haendlern nichts. Spass macht es mit Leuten zu handeln, die einen mit “Freund” ansprechen und gleich anfangen wollen Waren zu verkaufen. Und wenn man mal wirklich handeln muss, dann sollte man offensiv sein. “Muzungu ist nicht doof, also sag mir den normalen Preis und vielleicht kaufe ich dann nur bei Dir in den kommenden Tagen.” Das kann helfen einige Leute zurecht zu stutzen. Der Glaube, dass weisse Leute immer Geld haben, ist Teil des wahrnehmbaren Muzunguproblems. Einigen Haendlern gehen meiner Ansicht nach dadurch einige Einnahmen floeten. Vor allem, wenn Sie an hoeheren Preisen fuer Weisse fuer den billigen Chinaramsch festhalten und glauben stur bleiben zu muessen.

Wirklichen Rassismus habe ich noch nie hier erlebt. Also Rassismus der irgendwie abwertend oder mit Angst vor Gewalt zu tun hatte. Den findet man wohl eher nur bei uns. Hier glauben nur einige Leute, dass alle Weissen Geld haben und bereit sind viel zu hohe Preise zu bezahlen. Muzungu ist aber nicht doof. Wenigstens was das betrifft.

Den meisten Kenyanern ist die Verwendung des Wortes Muzungu unangenehm.

PS: Nur ein Erfahrungsbericht aus eigener Sicht.

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