2019, Blog

Was macht eigentlich Dein Channel?

Terry Atieno, Youtuberin – Sie kommt aus Kenya und arbeitete bereits für verschiedene Radiosender. Seit einigen Jahren pflegt sie ihren eigenen Youtube-Kanal. Redet über Themen, die besonders bei kenyanischen Auswanderern beliebt sind und ebenfalls Interesse im Heimatland wecken. Sie unterstützt afrikanische Musiker und hilft bei der Verbreitung der Musik. Sie hört die Musik während sie im Livestream kocht oder tanzt. Wir haben uns zu einem Gespräch aufgemacht und wollten über Youtube und die Arbeit im Internet reden.

Hey Terry,

Hey Kowa.

Wie geht es Dir heute?

Nicht so gut.

Was ist passiert?

Mein Kanal bei Youtube wurde gelöscht.

Wie konnte das passieren?

Ein Künstler hat mehrere Verstöße gegen sein Urheberrecht beklagt und sich bei Youtube beschwert. Das ist bereits mehrfach geschehen, hatte aber keine Konsequenzen. Das konnte ich abwehren.

Hast Du Musik ohne Erlaubnis genutzt?

Das ist das Problem. Nein. Ich promote Künstler. Sie senden mir ihre Musik zu, damit ich sie in meinen Shows und Videos abspiele. Das ist das Prinzip meines Wirkens. Sie geben mir die Erlaubnis und ich bewerbe sie. Ich verlange dafür kein Geld.

Auf Papier?

Nein. Per E-Mail. Das sollte heutzutage ausreichend sein.

Hat der Künstler es Dir auch erlaubt?

Natürlich. Ohne mich wäre er in Kenya nie bekannt geworden. Hätte er einfach gesagt, dass er mich nicht mehr braucht, hätte ich die Videos entfernt. Jetzt hat mich die Entscheidung von Youtube fast kalt erwischt.

Warum nur fast?

Naja. Ich habe natürlich noch alle wichtigen Videos und Shows auf einem Backup-Server liegen. Die Arbeit ist also nicht weg. Ich wäre völlig kaputt, wenn Jahre des Aufnehmens, Kochens, Tanzens und Schneidens einfach in Youtubes Papierkorb gewandert wären.

Hast Du versucht bei Youtube die Sache zu klären?

Klar. Ich bekam die Info, dass ein Vorwurf vorliegt und konnte eine klärende Nachricht schicken. Also darauf hinweisen, dass ich die Musik nutzen durfte, da ich sie schlicht bewerbe. Sie hätten die Videos einfach löschen können und gut ist. Stattdessen kam relativ schnell die Antwort, dass der Kanal entfernt wurde und nicht wiederhergestellt werden kann. Das hat natürlich gesessen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass der Fall geprüft wurde.

Was machst Du jetzt?

Das ist einfach. Neues Googlekonto eröffnet. Altes Googlekonto soweit wie möglich gesperrt und leergeräumt. Mit dem neuen Konto einen neuen Kanal aufgemacht und die Videos, die nicht betroffen waren wieder hochgeladen. Über meine sozialen Netzwerke informiere ich die Fans, damit sie wechseln.

Das wird trotzdem einige Zeit beanspruchen, oder?

Natürlich. Um wieder von der Monetarisierung zu profitieren, müssen meine Fans wieder 4.000 Stunden streamen und ich muss schnell über 1.000 Subscribers bekommen. Die Subscribers sind kein Problem, aber werden auch Monate brauchen. Ich habe gute Kontakte zu Kenyanischen Stars die mir helfen. Aber die 4.000 Stunden werden schon ein oder zwei Monate verschlingen. Die wenigsten Leute schauen sich ein Video so oft an und ich bin auch nur eine kleine Youtuberin.

Du musst also ordentlich nachlegen und produzieren?

Oh ja. Das schlimme an Youtube ist ja, dass man niemals aufhören darf Content zu liefern. Sonst stürzen die Einnahmen ab. Youtuber zu sein, ist eine nie enden wollende Ausbeutung. Ich habe kein Team und mache alles alleine. Ich will das ja auch. Es macht mir Spaß. Entertainment ist mein Ding. Ich werde mich aber auch nach Youtube-Alternativen umschauen. Zur Sicherheit.

Der Beschwerdeführer wird sicher nicht mehr in Deinen Videos genannt?

Lacht. Nie im Leben. Viele Künstler, die erst am Anfag stehen und sich für ziemlich gut halten, vergessen, dass Leute wie ich ihnen enorme Geldsummen sparen. Ein Radiospot für eine Woche kostet durchaus mal 5.000 €. Ein TV-Werbespot mit Glück 50.000 €. Das können gerade Künstler aus Afrika kaum bezahlen. Vielleicht einer von 100.000. Ich verlange nur das Recht die Videos monetarisieren zu können. Der Künstler bekommt Aufmerksamkeit und Werbung, ich bekomme ein bisschen Taschengeld. Mehr ist es nicht.

Wirst Du jetzt Deine Strategie ändern?

Definitiv. Wer will, dass ich seine Musik spiele, muss es mir schriftlich geben. Inklusive der Erlaubnis für die Monetarisierung. Ein Brief mit Unterschrift und einen Vertrag, dass, wenn er meint ich verletze sein Urheberrecht, Schadensersatz an mich zu zahlen ist. Wer das nicht will, muss mich für jedes Video extra bezahlen. Mit 500 € für ca. 5 bis 10 Minuten. Das wird einige Künstler mit denen ich gut zusammen arbeite hart treffen, aber ich muss auch an mich denken. Die Musik ist ja nicht mein Hauptthema. Das sind Shows in denen ich Alltagsprobleme von Kenyanern anspreche und diskutiere. Ich will mir nur nicht mehr von Leuten, die möglicherweise glauben ein Star zu sein, das Leben erschweren lassen.

Wie siehst Du Youtube nach dem Vorfall?

Kritischer. Leute wie ich und auch jeder andere, arbeiten ziemlich viel, damit Youtube am Leben bleibt. Würde niemand mehr Inhalte produzieren, wäre die Plattform tot oder wäre vergleichbar mit Netflix oder Amazon. Die Ausschüttungen sind meiner Ansicht nach auch zu gering. Bei Mixcontent ist es in Ordnung, aber wer wirklich 100% eigene Inhalte produziert, wird doch ziemlich ausgebeutet.

Glaubst Du die EU-Urheberrichtlinie wird negative Auswirkungen haben?

Ja. Das was mir passiert ist, wird viele andere Leute in Zukunft für noch banalere Sachen treffen. Um 100%ig sicher zu sein, muss man seine Show am besten in einem weißen Raum aufnehmen, mit selbst erstellter Musik und in selbst genähter Kleidung. Produzieren wird teurer.

Danke für das nette Gespräch.

 

Wer den Channel wieder mit aufbauen möchte: Proud Chocolate !

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