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Werbung im Internet! Selbsttest!

Wir werden getrackt, verfolgt, über Grenzen hinaus genervt, wir blockieren sie weg, wir ignorieren sie: Werbung! Was bringt Werbung eigentlich wirklich? Auf kowabit.de gibt es Blogbeiträge, ein paar Bilder und statische Informationsseiten. Wenn ich Werbung für kowabit.de schalte, dann hat das doch irgendeine Folge, oder?

Ich habe 100 € in Werbung investiert, um verfolgen zu können was die ganze Geschichte mir bringen würde. Ich verkaufe ja keine Produkte an sich, sondern baue darauf, dass Leute sagen: “Hey, kowabit ist cool. Ich spende mal was oder öfter! Ich komme auch regelmäßig!” Also wollte ich für 100 € Leute auf meine Webseite locken. Einmal pauschal ohne genaue Suche nach Zielgruppen, einmal mit genaueren Werkzeugen, dann pauschal ein Banner auf einem anderen Blog und dann im Vergleich das einzige soziale Netzwerk, das ich nutze. Anschließend wartete ich tatsächlich noch ein gutes halbes Jahr, um Nachfolge-Effekte messen zu können.

Um es gleich am Anfang zu sagen: Ein Tweet auf Twitter bringt mir mehr Aufmerksamkeit als alle anderen Möglichkeiten. Und dort ist es grundsätzlich, wenn man keine Werbemaßnahmen bucht, kostenlos. Anhand von Nutzeranalysen ist auch Facebook eine gute Möglichkeit Besucher zu bekommen. Ich selbst habe aber kein Facebookkonto und werde das auch nicht in Betracht ziehen. Wenn von Euch einige Leute Beiträge von mir auf Facebook teilen, dann: Danke! Ich sehe ja woher meine Besucher kommen … 🙂

Test 1:

Kommen wir aber zu den anderen Tests. Ich habe mir einen Naturblog gesucht, der völlig andere Inhalte publiziert und damit völlig andere Leute anspricht. Das Werbebanner dort hat für entsprechend messbare Besucher gesorgt. Nichts besonderes an Masse. Dafür, dass es kostenlos war, ganz nett. Das hat mich an meine Anfänge erinnert, als ich meine erste Webseite über damals puretec gehostet und am internen Bannertauschprogramm teilgenommen habe. Voll retro! Grundsätzlich waren die Klickraten aber in Ordnung. Andere große Erfolge waren jedoch nicht messbar.

Test 2:

Der zweite Test war auch eher eine Retrogeschichte. Ihr kennt noch klamm? Auf klamm kann man Werbung buchen, für die andere Mitglieder von klamm Belohnungen zurückerhalten. Sie müssen nur auf meine Werbung klicken. Um so teurer meine Werbung, desto höher die Rückvergütung. Manche Werbeformen sind normale Einblendungen ohne Klickgarantie. Ich habe mir also ein klamm-Konto angelegt und ein Werbemanagement-Konto. Dann habe ich dort folgende Buchungen vorgenommen:

  • 50.000 Einblendungen eines Textlinks zu kowabit.
  • 1.000 Fragelinks. Wer diesen Link angeklickt hat, musste auf kowabit.de eine Weile lesen und eine Frage beantworten. Dafür wurde der Besucher dann belohnt.
  • 3.000 Powerlinks mit unterschiedlichen Zielseiten auf kowabit.de (Vier Kampagnen: 2x 1.000 Links und 2x 500 Links). Diese Linkform garantiert 100% Klicks. Auch wegen der Belohnung.

Ich habe also 4.000 garantierte Besucher auf klamm gebucht und pauschal 50.000 einfache Einblendungen.

Pure Werbeeinblendungen auf einem Werbemassenmarkt sind jedoch sinnlos. Gerade mal 19 Klicks bei 50.000 Werbeeinblendungen spricht gegen derartige Programme. Deshalb haben sich auch Programme, die mehr Daten tracken und Nutzer analysieren, durchgesetzt.

Die anderen gebuchten Klicks habe ich nur auf den deutschsprachigen Raum konzentriert. Ohne weitere Einstellungen. Die Zielgruppenauswahl hält sich aber auch in Grenzen. Die Fragelinks habe ich zusätzlich nur noch auf das Interessengebiet IT konzentriert. Die gesamten gebuchten 4.000 Links waren innerhalb weniger Tage aufgebraucht. Laut klamm-Übersicht mit entsprechend 4.000 Klicks. Meine eigene Statistik auf kowabit hat jedoch nur 1.500 Besucher von klamm registriert. Wo hier das Problem lag, sei dahingestellt. Andere Auswirkungen hatte diese Werbung nicht.

Sie war also vollkommen sinnlos. Interessant für mich nur: Warum nutzen Leute diesen Dienst? Mitglieder derartiger Communities sehen den Klick, für den sie bezahlt werden, nur als Geschäft. Interesse an den Zielwebseiten ist doch eher nicht vorhanden. Auch ich habe mal rumgeklickt und musste feststellen, dass es noch sehr viele Webseiten gibt die im Stil von 1993 gebaut und noch immer beworben werden. Gruselig! Aber vielleicht genau die Zielgruppe für Angebote wie klamm. Ich habe mich dort nicht wohlgefühlt.

Test 3:

Jetzt wollte ich weitere 50 € in bessere Werbeformate investieren und habe mich auf Googles Adwords gestürzt. Und ich hatte keine Ahnung wie der Hase da den Igel überholen wollte.

Erstmal sei gesagt, dass man für 50 € nicht wirklich was bekommt. Mehr als 220 Klicks in 30 Tagen waren nicht finanzierbar. Hat dann etwa 45 € gekostet. Mit etwa 35.000 Einblendungen okay, aber entscheidend sind ja immer die Klicks. Also die messbaren Besucher, die ich zusammen mit meiner Statistik und der Google-Statistik gegenprüfen kann.

Ich habe meine Werbeanzeige dann entsprechend an bestimmte Suchbegriffe geknüpft: hacking, trojaner, vpn, blog, internet, wlan oder firewall. Wer also ein Thema auf google dahingehend gesucht hat, konnte meine Anzeige sehen. Als Werbekampagne eine gute Sache. Der Suchende bekommt Angebote die auf seine Suchanfragen zugeschnitten sind.

Ich weiß nicht wie Ihr das immer macht, aber sehr oft, wenn ich diese Werbung in den Suchergebnissen von Google sehen muss, klicke ich in der Regel nur auf die Links von den Anbietern, die ich nicht mag. Das verursacht denen Kosten ohne Erfolg. Wenn ich aber interessiert bin, dann gebe ich den Link manuell in den Browser ein. Auch, um das Tracking nicht noch durch einen Klick zu unterstützen. Und der Anbieter des gesuchten Angebotes spart etwas Geld. Der kleine hilflose Klickprotest des manchmal hilflosen kleinen Mannes.

Während des Tests konnte ich über die Analysewerkzeuge auf kowabit eigentlich nur folgendes feststellen: Ich hatte ca. 220 Besucher per Adwords. Ein paar mehr allgemeine Besucher über Google. Ansonsten war auch hier kein Langzeiteffekt zu bemerken.

Fazit:

Wenn man online Werbung machen will, dann ist es am effektivsten das in sozialen Netzwerken zu tun oder mit befreundeten Bloggern einen dezenten unauffälligen sebstgehosteten Bannertausch zu organiseren bzw. gegenseitige Empfehlungen in sozialen Netzwerken aussprechen. Wobei hier natürlich ein hohes Maß an Vertrauen vorliegen muss. Deshalb wollte der Naturblogger auch nicht genannt werden. Unsere politischen Einstellungen sind nicht im Einklang, was für ihn ein Problem in der Außenwirkung einer solchen Verlinkung darstellt. Ist in Ordnung! Trotzdem nochmal Danke für die Teilnahme! Andere internetbasierte Werbeformen halte ich nicht nur als Betreiber für sinnlos, sondern auch als Nutzer und Leser weiterhin für unerwünschte Belästigung. Ich weiß aber auch, dass einige kommerzielle Anbieter Werbung für sich benötigen und Plattformen Werbung zur Finanzierung nutzen.

Der Anbieter klamm hat zwar mehr Besucher geschickt als google, aber der Charakter hinter klamm ist doch eher sinnlos, wenn man langfristige Bindungen aufbauen möchte. Für mich waren aber beiden Angebote sinnlos. Google ist dann auch für Leute wie mich einfach zu teuer. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich kein Produkt direkt selbst verkaufe. Wer Produkte verkauft, kann sicher Verkaufserlöse und Klickpreise gegeneinander aufrechnen. Für Onlineangebote, die jedoch nur ihren Inhalt anbieten und die Bindung zum Besucher benötigen, um langfristig auch von ihnen zu profitieren, ist bezahlte Online-Werbung für das eigene Angebot vollkommener Unsinn. Einmal und nie wieder!

In Bezug auf dieses Experiment habe ich aber auch ein gewisses Mitgefühl mit all den Online-Medien entwickelt, die gegen Adblocker anstinken, weil sie wiederum Werbeeinnahmen benötigen, um die eigene Arbeit zu finanzieren. Sie brauchen die Klickgelder und Affiliateeinnahmen zur Finanzierung. So wie ich eigentlich auch. Aber das hängt natürlich auch immer vom Publikum ab. Wenn Ihr als Leser nicht mitspielt, kann jede Strategie scheitern. Wenn die Strategien und Vorhaben der Medienbetreiber nicht die Unterstützung der Leser finden, endet es irgendwann. Wir werden sicher noch interessante Entwicklungen erleben.

Schweifen wir mal ab …

Nehmen wir das Beispiel bild.de! Bild hatte mit seiner Anti-Adblocker-Kampagne alle Benutzer von Adblockern aus seinem Online-Angebot ausgesperrt. Ich halte das für legitim. Auch, weil mir bild.de vollkommen egal ist!

Aber genau mit dieser Strategie kann die Bild-Reddaktion natürlich auch feststellen wie eng die Bindung der Leser wirklich ist. Und wer Werkzeuge wie Alexa nutzt, kann das auch nachprüfen und feststellen, dass die Bindung eher locker ist:

alexa-bild-de

Bild.de ist abgestürzt. Sie haben durch ihre Anti-Adblockerkampagne einfach viele Leser vergrault, die Werbung ausblenden. Damit haben sie natürlich die reine Besucherzahl enorm minimiert. Wäre ich ein Verantwortlicher von bild.de hätte ich eine andere Strategie verfolgt. Weniger Werbung, dafür teurer und ausschließlich selbst vermarktet. Freier Zugang, auch für Adblock-Nutzer, denn weiterhin gilt, dass trotzdem über bild.de gesprochen wird. Und wer sich ein wenig mit grundlegenden politischen Strategien auskennt, weiß, dass eine Person in der Regel mit bis zu 12 anderen Personen vernetzt ist. So habe ich das gelernt, als es noch kein facebook gab!  Bild hat davon ausgehend somit 11 potentielle Nutzer ohne Adblocker aus der Kette möglicher Konsumenten herausgenommen und die Wirkung sozialer Netzwerke damit ausgeschaltet. Den Effekt kann man auf der Grafik erkennen.

Medien und Online-Werbebranche werden sich ändern müssen. Ein globales Patentrezept habe ich aber auch nicht. Ich weiß nur, dass ich aus meiner Sicht einfach weiter mache. Außerdem ist ein Werbeblocker auf kowabit.de nicht nötig. Und als eigene Werbung sollte immer nur die Qualität und die Themenauswahl herhalten und die Einsicht, dass man es nicht allen Leuten Recht machen und auch niemals alle Menschen erreichen kann. Das spart auch Kraft und Kosten! Kein Geld in Online-Werbung zu stecken, kann deshalb auch viel besser sein. Die Werbekampagnen müssen nämlich vorbereitet, durchgeführt und überwacht werden. Es muss analysiert werden, ob es erfolgreich war oder ob man in der nächsten Kampagne etwas ändert. Dazu die Werbefirmen, die sich Banner und Grafiken und Texte ausdenken. Kann man sich alles ersparen und am Ende dennoch genau die Leser erwischen, auf die man es abgesehen hat.

Unabhängig von meinem Lob für soziale Netzwerke, werde ich mir aber trotzdem keine Facebookseite anlegen. Dafür habe ich gar keine Zeit! Twitter reicht! Einfach mal Follower werden! 🙂

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